Innovation und Disruption

Zwei Begriffe aus der Ökonomie, die stark miteinander verknüpft sind und in letzter Zeit immer häufiger zu hören sind: Innovation und Disruption.

Die rasch voranschreitende Digitalisierung ist dabei der Antriebsmotor. Nahezu nichts wird mehr so sein, wie bisher. Innovative Ideen bringen uns voran und verdrängen dabei nur allzu oft Traditionelles und Althergebrachtes, wir sprechen dann von Disruption.

Alle Welt spricht von Industrie 4.0 und Digitalisierung. Diese Betrachtung wäre aber viel zu eindimensional. Wir haben es mit einem mächtigen „Vertical Change“ zu tun. Nicht nur die Produkte und die Prozesse ändern sich, nein auch wir Menschen und damit die Kunden ändern sich, und zwar grundlegend!

Der moderne Kunde der Generation Y fragt immer weniger danach, was unter der Haube steckt und wo ein Produkt entsteht. Er interessiert sich eigentlich kaum noch dafür. Ihn beschäftigt vielmehr das Ergebnis und der unmittelbare Nutzen.

Was primär zählt, ist die Marke, nicht so sehr der Produktionsstandort und damit die Herkunftsbezeichnung eines Produktes! Apple und Nike machen das seit vielen Jahren sehr erfolgreich vor.

Die (R-)evolution von der Kerze über die Petroleumlampe zur Glühlampe und jetzt bis zur LED ist so eine phantastische Geschichte. Es handelt sich um einfache Dinge, wie die Erzeugung von Licht, die Mobilität, die Anzeige der Zeit, oder die Speicherung von Musik. Von der Sanduhr, über die mechanische Uhr zur Quarz- und Funkuhr bis zur heutigen Apple Watch; vom Plattenspieler zur CD und über MP3 zu iTunes und Spotify.

Getreu nach dem Ausspruch von Henry Ford: „Wäre ich immer nur den Wünschen meiner Kunden gefolgt, so hätte ich schnellere Pferde züchten müssen und nicht Autos bauen.“

Und Tesla zeigt Audi, BMW & Co., derzeit, wo vorne ist. Firmen wir Kodak und Agfa haben den rechtzeitigen Umstieg auf die digitale Fotografie verpasst und mussten aufgeben. Nun beginnen die Smartphones mit ihren immer besser werdenden integrierten Kameras gar den Herstellern „normaler“ Digitalkameras das Leben immer schwerer zu machen. Nicht von ungefähr liest sich der traditionsreiche Name LEICA auf dem aktuellen Premium-Smartphone von Huawei.

Dasselbe findet im Bereich der Vetriebs- und Absatzkanäle statt. Groß- und Einzelhandel geraten über erfolgreiche Online-Distributionsplattformen immer mehr in Bedrängnis und müssen sich mit dem neuen Trend auseinandersetzen. Aufzuhalten ist er definitiv nicht. Im Gegenteil, er wird sich noch massiv verstärken. Amazon Fresh ist die nächste Stufe, die den Lebensmittelmärkten das Fürchten lernen wird.

Der Kunde will und muss auch nicht mehr alles selbst besitzen. „Sharing“ heißt das neue Zauberwort. Weshalb ein Auto kaufen, wenn es die meiste Zeit ohnehin nur herumsteht. Der moderne Konsument besitzt nicht mehr alles selbst, er mietet stattdessen auf Zeit. Airbnb und Uber lassen grüßen.

Auch das Teilen von Information spielt eine entscheidende Rolle. Social Media, Messenger, Chat-Rooms, eingebettet in das schon fast traditionelle Internet mit all seiner Vielfalt und Ausprägungen, stellen Informationen in einer Geschwindigkeit und Vielfalt zur Verfügung, bei der den konventionellen Print-Medien immer mehr die Luft, sprich die Leser wegbleiben. Das fiebernde Warten auf die neue Ausgabe eines Print-Magazins mutet da schon ziemlich nostalgisch an.

Wie betrifft das nun die Uhrenbranche? Darüber wird sehr trefflich diskutiert und spekuliert. Einer der sich mit der Thematik sehr intensiv beschäftigt, ist Xavier Comtesse. Er ist Mitbegründer des Schweizer Thinktanks zum Thema Industrie 4.0 und deren Auswirkungen auf die Schweizer Uhrenindustrie. Und er prognostiziert der Branche in der bestehenden Form keine allzu rosige Zukunft.

„Die Party ist endgültig vorbei“, postolierte er unlängst. „Die hohen Verkäufe und Margen in Osteuropa und Asien, in denen sich die Luxuskonzerne viele Jahre gelabt haben, gehören der Vergangenheit an. Diese Zeiten werden auch nicht wieder kommen“.

„Die Schweizer Uhrenindustrie musste in 2016 einen Umsatzrückgang i.H. von 2 Mrd. Schweizer Franken (entspricht einem Rückgang von 9,9% gegenüber dem Vorjahr) hinnehmen. Das ist viel Geld und hat in Form von mindestens 2000 verlustig gegangenen Arbeitsplätzen bereits deutliche Spuren hinterlassen“, führt Comtesse weiter aus. „Nun wird aller Voraussicht nach eine Phase der scheinbaren Stabilisierung und Konsolidierung eintreten und als neue Normalität wahrgenommen werden, bis dann in einer nächsten Runde die Auswirkungen der Digitalisierung und damit die smarten Uhren auch die Schweizer Uhrenindustrie mit voller Wucht erfassen wird“.

Nach Einschätzung von Martin Frey (CEO FOSSIL Group Europe) werden die Auswirkungen der smarten Uhren schon bald deutlich zu spüren und der Verlust von Marktanteilen die unausweichliche Folge sein.

In einem Anfang des Jahres vom Schweizer Fernsehen ausgestrahlten Beitrag wird gar davon gesprochen, dass sich das berühmte Tal der Uhrmacher, das Vallée des Joux, wird neu erfinden müssen.

Video-Clip

Ob´s so kommt, bleibt abzuwarten. Wie so oft im Leben, wird das Ergebnis irgendwo zwischen Schwarz und Weiß liegen. Weitermachen wie bisher oder die Schwächephase gar aussitzen wollen, wird nicht funktionieren, soviel ist sicher, dafür ist die digitale Revolution viel zu disruptiv.

 

Der Autor:

Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobil- und Luxusgüterindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen und Trends auf dem Sektor für hochwertige Uhren und innovative Technologien.

 

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