Baselworld 2017: Eine smarte Rückblende

Die Baselworld 2017 ist zu Ende. Die der Presse offiziell mitgeteilten Zahlen von einer um 4% geringeren Besucherzahl und rund 200 Ausstellern weniger zeigen, in welch schwieriger Situation sich nicht nur die Messe selbst, sondern die gesamte Branche befindet.

Zumindest die offiziell genannten Besucherzahlen zweifeln wir an. Wir hatten während unseres Aufenthaltes in Basel mehrfachen Transfer per Taxi und die Taxilenker – zumeist gut informierte Personen – sprachen gar von 30% weniger Frequenz, stöhnenden Restaurants und klagenden Hotels. Weder die einen noch die anderen waren – wie in den Vorjahren üblich – voll belegt.

Unser Selbsttest auf booking.com und HRS wies tatsächlich freie Hotelzimmer in Downtown Basel aus, zu für Schweizer Verhältnisse annehmbaren Konditionen. Da scheinen die von der Messeleitung genannten 4% wohl ziemlich positiv gerechnet worden zu sein.

Und wie geht es weiter? Schwer vorherzusagen. Die Baselworld 2018, soviel steht fest, wird um 2 Tage verkürzt, um die Kosten für die Aussteller zu reduzieren. Und Hermès wird im kommenden Jahr wohl nicht mehr dabei sein und stattdessen – wie schon andere zuvor – nun künftig der SIHH in Genf beiwohnen.

Die jeweils im Januar des Jahres stattfindende SIHH mutiert damit von einer ursprünglich mehrheitlich von der Groupe Richemont ausgerichteten Hausmesse mehr und mehr zur Konkurrenzveranstaltung für die Baselworld im eigenen Land.

Wo gibt es denn so etwas? Im Abstand von nur 2 Monaten (im Januar SIHH und im März Baselworld) zwei Messen zum exakt gleichen Thema im gleichen Land an zwei, lediglich 200km voneinander entfernten Standorten! Jetzt zeigt die Luxusuhrenbranche ihr wahres Gesicht und selbst der gutgläubigste Kunde sollte sich langsam fragen, was im geforderten Verkaufspreis seiner Wunschuhr noch alles eingearbeitet wird, wie hemmungslos redundante Veranstaltungen finanziert und abgehalten werden und wie schamlos er damit zur Kasse gebeten wird. Dem Produkt kommt der ganze Aufwand an dieser Stelle sicher nicht zugute, schon eher dem Ego einiger nicht lernbereiter Manager.

Das kann und wird nicht gut gehen, die Branche scheint sich selbst zerfleischen zu wollen. Der eine gönnt dem anderen die Butter nicht auf dem Brot. Statt Vernunft und kühlem Kopf scheint jetzt das Recht des Stärkeren zu gelten.

Aber es gibt lachende Dritte und diese Spezies war in diesem Jahr in Basel bereits vereinzelt anzutreffen. Und, mit, wegen der Abwanderung in Richtung Genf, zunehmend freiwerdenden Flächen in Basel, lassen sich die Gedankenspiele natürlich in alle möglichen Richtungen fortsetzen. Die Messe wird sich um Alternativen bemühen müssen. 2018 wird zweifellos noch spannender.

Samsung und Intel, beides zwei Megakonzerne, die für die Sandkastenspielchen der Premiumhersteller lediglich ein Augenzwinkern übrig haben, sind dieses Jahr nach Basel gekommen, nicht um primär neue Modelle vorzustellen – nein, die wurden bereits zuvor an anderer Stelle präsentiert – sondern um eine unmissverständliche Botschaft abzusetzen.

Diese Firmen – und es gibt noch sehr viel mehr davon – sie heißen Apple, Asus, Garmin, Google, Huawei, Lenovo, LG, Qualcomm, Sony, Meizu, Xiaomi, ZTE,……..und sie wollen mit dieser Botschaft klar machen, dass sie sich fortan ein Stück vom Kuchen abschneiden wollen und werden, auch wenn bislang „nur“ Samsung und Intel in Basel vertreten waren.

Da dieser Kuchen aber nicht beliebig weiter anwachsen wird, kann das nur zu Lasten derjenigen gehen, die jetzt begonnen haben, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen. Die Strategie der amerikanischen und asiatischen Megakonzerne scheint damit aufzugehen. Wie schon so oft zuvor. Wo ist die deutsche Kameraindustrie geblieben? Wo die europäische Unterhaltungselektronik? Von der Bildfläche verschwunden, nicht mehr existent!

Vielleicht fragen wir uns in 10 oder 20 Jahren wo ist die Deutsche und die Schweizer Uhrenindustrie geblieben? Noch wäre Zeit zu reagieren. Aber der Countdown läuft unüberhörbar, oder hören wir nur das Gras wachsen?

Deshalb haben wir uns in Basel genau umgesehen, was die smarte Branche so im Angebot hat und wie ernst das Ganze aktuell zu nehmen ist.

Beginnen wir bei Samsung. Dieser mit einem Umsatz von rund 230 Mrd US$ und einer halben Million (500.000) Mitarbeiter aufwartende Gigant scheint trotz seiner schieren Größe flexibel und schnell genug, die, neben der Apple Watch 2, derzeit beste Smartwatch, in Form der Samsung Gear S3, anzubieten.

Insbesondere das brillante, detailreich und hochauflösende Display sticht derzeit (fast) ausnahmslos alle Wettbewerber aus dem Feld. Lediglich die Apple Watch 2 kann hier mithalten.

Im Bild: Samsung Gear S3, optisch von einer „echten“ Uhr kaum mehr zu unterscheiden

Der Schweizer Designer und Querdenker Yvan Arpa zeigt für das stimmige Design verantwortlich. Die Gear S3 trägt sich wie eine Uhr, nicht wie eine Smartwatch. Ein weiterer Stardesigner aus Paris, Arik Levy, zeichnet für das Design der verschiedenen Armbänder aber auch der mannigfaltigen Watchfaces (Zifferblätter) verantwortlich. Da sind absolute Profis am Werk.

Im Bild: Pressekonferenz bei Samsung; von links: Anish Bhatt (Watch Anish), Younghee Lee (Executive Vice President of Global Marketing, Samsung Electronics), Arik Levy (Design-Studio in Paris), Yvan Arpa (Design-Studio in Genf)

So ganz nebenbei hat der Industrie-Designer Arik Levy auch den futuristischen Messestand von Samsung entworfen. Hier wurde geklotzt, nicht gekleckert. Das Geld, welches andere bei irgendwelchen Offshore Party´s verbrennen, wurde hier weitaus sinnvoller investiert.

Und wer moderierte die Pressekonferenz? Kein geringerer als Anish Bhatt, der Gründer von Watch Anish, mit 1,7 Mio. Followern. Noch Fragen? Diese wurden übrigens bei der Pressekonferenz in großer Runde nicht zugelassen. Was sagt uns das? Ganz einfach: Bitte keine Diskussion entfachen, stattdessen ein paar klare Statements platzieren und fertig. Kurz und schmerzlos!

Ansonsten auffallend viele, gut geschulte und hübsch gekleidete Hostessen am Samsung Stand, die jedem – auch jedem unangemeldeten – Besucher mit viel Hingabe das neue Produkt erklärten. Bravo, so sieht Kundenpflege des Internet- und Online-Zeitalters aus.

Mittels Virtual Reality wurde der interessierte Besucher dann noch auf eine virtuelle Fahrt mit der Achterbahn geschickt. Vielleicht auch das ein (rein zufälliges) Signal? Die Uhrenbranche fährt derzeit tatsächlich Achterbahn, aber eben nicht nur virtuell.

Wo gab es das sonst noch? Am ehesten – aber bereits mit Abstrichen – bei TAG Heuer. Auch hier weitgehend offener Zugang zur neuen TAG Heuer Connected Modular 45 und Personal in Rufweite, welches das komplexe Produkt bereitwillig und im Detail erläuterte. Zudem hatte TAG Heuer einen Fahrsimulator aus dem Rennsport aufgebaut, leider war dieser etwas unglücklich platziert.

Und das Produkt?

Im Bild: TAG Heuer Connected Modular 45

Die TAG Heuer Connected Modular 45 zweifellos ein tolles Produkt, von einem faszinierenden Hersteller. Keine Smartwatch, sondern auch hier – ähnlich wie schon zuvor schon bei Samsung – eine echte Uhr. Jean-Claude Biver ist neben Peter Stas der derzeit einzige CEO einer großen Uhrenmarke, der die heranrollende Flutwelle in ihrem vollen Ausmaß erkannt hat und nun versucht, auf geeignete Weise eine Antwort darauf zu geben.

Im Bild: Jean-Claude Biver im Interview: Er nimmt die Situation sehr ernst und kommuniziert das auch sehr emotional.

Die TAG Heuer ist Swiss Made, Samsung fertigt die Gear S3 hingegen in Vietnam. Dafür wird dann bei der TAG Heuer aber auch ein Mehrpreis von deutlich über 1000 Euro fällig.

Begeben wir uns zum Stand von Intel, so sehen wir dort erwartungsgemäß nicht nur die TAG Heuer Connected, sondern auch das neueste Produkt des Sportartikelherstelles New Balance.

Im Bild: Smartwatch „RunIQ“ von New Balance

So wie die TAG Heuer, ist dieses Produkt ebenfalls mit der Technologie von Intel ausgestattet, aber zum Discountpreis von 375 EUR. Zugegeben, die New Balance RunIQ trägt sich zwar ebenfalls gut, ist aber keine Uhr im eigentlichen Sinne, schon mehr ein Sportgerät. Aber das soll ja auch so sein. Fragt man sich dann aber doch, wie sich der hohe Mehrpreis zur TAG Heuer erklärt, bei nahezu gleichem Inhalt und sogar zusätzlichem Pulsmesser? Intel wollte uns auf diese Frage verständlicherweise keine Antwort geben.

Wechseln wir das Lager der zum Einsatz kommenden Mikroprozessoren und sehen uns bei jenen Herstellern und Anbietern um, die auf Technologie von Qualcomm setzen, dem derzeit weltweit größten Hersteller von Halbleitern.

Ein wichtiger Anbieter dieser Technologie ist die Fossil Group. Und zwar nicht nur deshalb, weil die Fossil Group neben ihrer Eigenmarke auch eine ganze Reihe von Lizenzmarken mit den neuen Produkten versorgt. Fossil setzt auf den bewährten Snapdragon 2100 von Qualcomm, der mit der wertvollen Energie etwas sparsamer und effizienter umgeht als die SOC Lösung von Intel.

Im 4. Quartal bringt Fossil eine abermals runderneuerte Palette von smarten Displayuhren unter den verschiedenen Labels auf den Markt. Dort ist nun überall die neueste Version von Google´s Android Wear 2.0 implementiert. Besonders aufgefallen sind uns dabei drei Dinge:

Zum einen wurde uns der neueste Entwicklungsstand in Sachen Displaytechnologie gezeigt (leider ohne Fotografiererlaubnis), wo Fossil in Sachen Auflösung und Brillanz nun ebenfalls alle Register zieht.

Zum anderen verschwindet nun endlich auch bei Fossil der Flat Tyre. Das Display wird rund, und zwar ohne jegliche Einschränkung.

Im Bild: Neue Smartwatch Q-Explorist von Fossil, ohne Flat-Tyre am unteren Display-Rand

Und Last but not Least etwas, was es nirgendwo sonst zu sehen gab: Die Fossil-Tochter Misfit arbeitet an einer, stilistisch etwas an die Moto360 erinnernde, recht gut gelungenen smarten Uhr, die über eine sog. virtuelle Lünette verfügen wird.

Im Bild: Neue Smartwatch MisFit Vapor mit virtuell drehbarer Lünette

Ähnlich der Samsung Gear S3, bei der über die Drehung an der Lünette durch das Menü navigiert werden kann, geschieht dies bei der neuen Misfit mittels Fingerwisch entlang des gepunkteten Displayrandes.

Das Besondere daran ist, dass die Misfit Vapor zwar, wie zahlreiche andere Modelle auch, mit Android Wear 2.0 betrieben, jedoch mit einem eigenen Userinterface (UI) arbeiten wird. D.h. Misfit konnte Google dazu bringen, die Benutzeroberfläche abzuändern und entsprechend eigener Vorgaben modifizieren zu können, was bislang ein absolutes Tabu war. So kann nun die Individualisierung vorangetrieben werden, und das ist gut so!

Ebenfalls spannend bei Fossil war die Aussage, dass Herrenuhren von Michael Kors in Zukunft nur noch smart sein werden. Konventionell, d.h. mechanisch oder per Quarz die Zeit anzuzeigen, gehört bei diesem Anbieter, zumindest für die Herren der Schöpfung, ab sofort der Vergangenheit an.

Smart heißt bei der Fossil Group und mithin Michael Kors aber nicht zwangsläufig immer nur Display. Die Fossil Group präsentierte, nun ebenfalls bereits in der dritten Generation, eine ganze Reihe hübsch gestylter analoger Smartwatches, auch Hybriduhren genannt.

Im Bild: Neueste Version der Skagen Hybrid als Damenmodell

Diese Uhren sehen auf den ersten Blick wie ganz normale 3-Zeiger Uhren aus, haben jedoch ein großes Plus an Zusatzfunktionen, die der Kunde nach seinen eigenen Bedürfnisse konfigurieren kann. Neben der automatischer Zeitumstellung werden über die Bluetooth-Koppelung Nachrichten an die Uhr übertragen, Schritte gezählt, die Kamera fernbedient und vieles mehr.

Besonders erfreulich und auffallend, dass die Bauhöhe der intelligenten Uhrwerke weiter reduziert werden konnte; somit können die Uhren nun deutlich flacher und eleganter ausgeführt werden. Fossil arbeitet mit hoher Schlagzahl und der Erfolg, sprich die Rückmeldungen aus dem Handel scheinen die grundsätzliche Richtigkeit der Strategie zu bestätigen.

Selbst ein starker Wettbewerber von Fossil gab uns gegenüber unumwunden zu, dass Fossil derzeit fast alles richtig macht.

Ein Unternehmen, welches smarte Technologien ebenfalls seit längerem im Angebot hat und sukzessive weiter ausbaut, ist Casio.

Von der analogen Smartwatch, in Form der bewährten Baureihe Edifice EQB-500 und ihrer mittlerweile zahlreichen Derivate, bis hin zur Outdoor Display Uhr, WSD-F20, hat Casio ein attraktives und stimmiges Produktportfolio aufgespannt.

Nun wurde dieser Tage zudem bekannt, dass Microsoft seine Patente zur Technologie von Sensorik und vor allem Alogorthmik für Wearables an Casio lizensiert hat. Da dürfen wir gespannt sein, was das zu bedeuten hat und in welche Produkte das einfließen wird.

Im Bild: Casio EQB-501 TRC

Casio ist neben der Fossil Group zudem einer der wenigen Anbieter, die auch die smarten Damen zu Wort kommen lassen. Unter der Submarke „Sheen“ sind schicke analoge Smartwatches im Angebot, leider mit etwas eingeschränktem Funktionsumfang.

Im Bild: Damen Smartwatch der Submarke „Sheen“

Casio übt sich mittlerweile aber auch im High-End Bereich.

Das Kasumi Tsuchime (Hammer-Tone) genannte Verfahren, Metall in einer Art Schmiedetechnik zu bearbeiten und zu veredeln, hat in Japan jahrhundertelange Tradition. Mit seiner Modellreihe MRG-G2000HT bringt Casio diese ganz besonderen Uhren nun auf den Markt.

Bleiben wir gedanklich in Japan und sehen uns bei Citizen um. Auch hier wurden wir dieses Jahr im smarten Bereich fündig. Citizen präsentierte dem Deutschen Uhrenportal das analoge Modell BZ1020-14L, eine per Bluetooth mit dem Smartphone gekoppelte Uhr, die Telefonanrufe beispielsweise von zuvor ausgewählten und freigeschalteten Teilnehmern meldet, aber auch E-Mails und sonstige Notifications. Darüber hinaus beherrscht die Uhr natürlich alle bekannten Funktionen der automatischen Zeitumstellung, bis hin zum ewigen Kalender.

Im Bild: Citizen BZ1020-14L

Das Besondere bei Citizen – auch bei diesem Modell – findet die Eco-Drive Technologie Verwendung. D.h. Aufladen oder Batteriewechsel war gestern, und zwar trotz Bluetooth! Die Uhr versorgt sich mittels Solarzelle stets selbst mit ausreichend Strom.

Zuvor hatten wir bereits Peter Stas erwähnt, der als einer der ganz wenigen CEO´s das Thema der intelligenten Uhr sehr frühzeitig für sich reklamiert hat. Da er sein Unternehmen Frédérique Constant, samt Tochterfirma Alpina, an Citizen verkauft hat, fanden wir bemerkenswert, dass er das Start-Up MMT nicht mitveräußert hat.

Ganz im Gegenteil: MMT wird weiter ausgebaut und beliefert neben Frédérique Constant und Alpina weitere Uhrenhersteller mit Uhrwerksmodulen, samt kompletter Softwareumgebung. Zu den Kunden zählen mittlerweile Mondaine, Movado und Michel Herbelin; weitere sollen folgen.

Im Bild: Die zeitlos elegante Mondaine Helvetica Smart, mit Technologie von MMT

Im Bild: Michel Herbelin Newport Connected als schickes Damenmodell, mit Technologie von MMT

MMT sorgt nun aber auch mit einem Smart-Strap für weitere Aufmerksamkeit. Dieses zunächst exklusiv nur an Frédérique Constant gelieferte kleine Modul ist absolut unauffällig an der Dornschließe eines Lederarmbandes untergebracht und erlaubt es, das Activity-Tracking in vollem Umgang zu übernehmen.

Im Bild: Smart-Strap von Frédérique Constant, in der Ladestation, ebenfalls mit Technologie von MMT

D.h. die tagsüber im Büroalltag genutzte, multifunktionale, analoge Smartwatch kann zum abendlichen Gang ins Theater oder Restaurant einer hochwertigen mechanischen Uhr weichen und das kleine Modul am Armband führt dann in einer identischen Softwareumgebung das Activity Tracking unterbrechungsfrei und durchgängig fort.

In Sachen smarter Armbänder wurden wir auch bei einem namhaften Zulieferer für Hersteller von Luxusuhren fündig. Die Schweizer Firma BIWI hat auf einem nicht zu übersehenden Plakat eine Entwicklung angekündigt, bei der über ein im Armband eingearbeiteten Display, nebst Elektronik, wichtige smarte Zusatzfunktionen wie Notifications, Fitnesstracking und kontakloses Bezahlen integriert werden sollen.

Nach Aussage des Herstellers soll das Produkt in ca. 3 Monaten serienreif sein und von einem namhaften Kunden auf den Markt gebracht werden. Wer dieser Kunde ist, wollte uns der Hersteller (noch) nicht verraten.

In Sachen Nischenhersteller und Nischenprodukte erscheinen uns noch zwei weitere Anbieter erwähnenswert. Die neu gegründete Firma Kronaby aus Schweden fand sich erstmals in Basel ein, um ihre neu entwickelte Kollektion smarter Analoguhren der breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Das Uhrwerk, so betont Kronaby, sei eine Eigenentwicklung, wobei auf wichtige Komponenten des Werkeherstellers Soprod zurückgegriffen werde, beispielsweise die Schrittmotore.

Beeindruckend ist die zur Uhr gehörige Smartphone-App. Hier wird schnell klar, dass bei Kronaby Experten aus der ehemaligen Profischmiede von Sony-Ericsson am Werk sind. Für vernünftiges Geld wird hier absolute TOP-Performance geboten.

Last but not Least möchten wir MyKronoz – ein innovativer Smartwatchhersteller aus der Schweiz – nicht unerwähnt lassen. MyKronoz ist nach 2 Jahren Pause wieder auf die Baselworld zurückgekehrt. Beim ersten Auftritt 2015 war die Zeit noch nicht reif und MyKronoz kam sich ziemlich verlassen, missverstanden und somit isoliert vor.

Nun hat sich das Blatt gewendet und der Hersteller befindet sich in guter Gesellschaft. Bemerkenswert ist die über Kickstarter erfolgreich finanzierte Neuvorstellung, der „ZeTime“ genannten Smartwatch, mit Display und zusätzlicher Analoganzeige.

Im Bild: MyKronoz „ZeTime“ mit Display und zusätzlich analoger Anzeige, mittels aufgesetzter Zeiger

Im Bild: Elektronikbaugruppe der „ZeTime“ mit aufgesetzten, durch Schrittmotore angetriebene Zeiger

Auf einem runden, mittig durchbohrten Display sorgt ein aufgesetztes analoges Zeigerpaar für die Zeitanzeige in gewohnt analoger Form, während das darunterliegende Display verschiedene Zifferblattdesigns, aber auch eingehende Informationen darstellen kann. Über die im Deckglas befindliche berührungssensitive Schicht wird die Uhr, wie gewohnt, per Wischbewegung bedient und gesteuert.

Zu welcher Einschätzung kommen wir abschließend?

Die Baselworld ist bunter, u.E. sogar sehr viel bunter und spannender geworden. Die intelligenten Uhren nehmen mittlerweile eine klar gefestigte, weiter wachsende Position ein. Ob es nun die volldigitalen Modelle der großen IT-Konzerne wie Samsung sind, oder aber jene der klassischen Uhrenhersteller, wie TAG Heuer, Fossil, oder Frédérique Constant, oder auch kleineren Nischenherstellern wie MyKronoz, für jeden Anspruch, Geschmack und Geldbeutel sollte mittlerweile etwas dabei sein.

Wer es weniger technisch möchte und dabei weiterhin auf gutes konventionelles Design setzen möchte, findet unter den hybriden Uhren mit analoger Anzeige, bei einer ganzen Reihe von Anbietern, viele gut gemachte Modelle. Auch hier ist für jeden Geldbeutel etwas Schickes und Nützliches dabei. Diese Uhren sind zudem rein optisch und auch hinsichtlich ihrer Baugröße von konventionellen Quarzuhren kaum mehr zu unterscheiden. Auch sind die Batterielaufzeiten mittlerweile ausreichend lang und bei diesen Modellen eigentlich kaum mehr ein Thema.

Wir gehen demnach davon aus, dass die intelligente Analoguhren Zug um Zug nennenswerte Marktanteile von konventionellen Quarzuhren abziehen werden. Jedoch, so ließ der Managing Director von Fossil Europe, Martin Frey, im Gespräch mit dem Deutschen Uhrenportal wissen, sind die hybriden Uhren viel stärker erklärungsbedürftig als die volldigitalen Modelle. Bei diesen weiß der Kunde zumeist recht genau, was er kauft und auf was er sich einläßt, da diese zumeist mit Google´s Android Wear als Betriebssystem (Ausnahmen sind Apple, Garmin und Samsung mit eigenem Betriebssystem) ausgestattet sind und dieses per Online-Recherche sowie über diverse Foren sehr gut dokumentiert ist.

Ganz anders hingegen die hybriden Uhren. Hier handelt es sich meist um rein herstellerspezifische Lösungen, die dann individuell erläutert und deren jeweilige Merkmale sorgfältig im Detail gegenübergestellt werden müssen, so die Einschätzung und bisherige Erfahrung der Fossil Group.

An dieser Stelle ist der Fachhandel gefordert, sich eingehend mit der neuen Technik zu befassen, die richtige Auswahl des Sotiments zu treffen, um den Kunden letztlich kompetent beraten zu können.

Inwiefern die neuen Modelle, ob hybrid oder volldigital, auch den hochwertigen mechanischen Uhren Marktanteile streitig machen, lässt sich kaum vorhersagen. Das wird letztlich erst die Zukunft zeigen. U.E. ist auch zu unterscheiden zwischen dem absoluten Luxussegment und den Einstiegspreisklassen. Bei dieser Fragestellung spielen viele weitere, mehr hausgemachte Probleme der Uhrenhersteller eine entscheidende Rolle, weniger die Smartwatch.

Die traditionellen Hersteller sind jedoch in jedem Fall, ob Quarz oder Mechanik, gut beraten, die weitere Marktentwicklung aufmerksam zu verfolgen und ggfs. Korrekturen an ihrer Strategie vorzunehmen.

Der Kunde hat mehr Auswahl denn je und der Fachhandel wird sich, wie alle anderen auch, den neuen Herausforderungen stellen müssen.

Save the Date: Baselworld 2018, 22.03.2018 – 27.03.2018

 

Der Autor:
Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobil- und Luxusgüterindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen und Trends auf dem Sektor für hochwertige Uhren und neue Technologien.

 

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