Was ist los bei den Wearables, Hopp oder Top?

Nachdem es bei den Wearables zunächst steil bergauf ging und zuletzt viele glaubten, sich noch rasch ein Stück(chen) vom zu verteilenden Kuchen sichern zu müssen, scheinen nun die ersten Anbieter kalte Füße zu bekommen bzw. mit rückläufigen, sprich negativen Geschäftsergebnissen fertig werden zu müssen.

Das zwingt den ein oder anderen dazu, seine Strategie zu überprüfen, anzupassen, oder sich gar dem Druck des Wettbewerbs zu beugen, und aus dem Rennen vorzeitig auszusteigen.

So geschehen mit Pebble, dem Pionier der Smartwatch, so geschehen mit Jawbone, dem Pionier bei den Fitnesstrackern. Und auch Motorola (Mutterkonzern Lenovo) hat die Lust verloren, die eigentlich sehr gute Moto360 weiterzuentwickeln. Läutet das nun das jähe Ende der Wearables, sprich Smartwatches und Fitnesstracker ein?

Vermutlich nicht. Und weshalb nicht? Blicken wir zurück in die Vergangenheit. Als Philips einst die Compactkassette entwickelte, kamen für eine begrenzte Zeit sowohl die Abspielgeräte, wie auch die Tonträger ausschließlich aus dem Hause Philips. Dann wurden Lizenzen an Wettbewerber vergeben und der schloss nicht nur rasch auf, sondern überholte den einstigen Pionier, bis dieser schließlich sich aus dem Geschäft, welches er erfunden hatte, zurückziehen musste. Der Kunde bevorzugte fortan Sony, Pioneer oder Panasonic.

Ein anderes Beispiel: Bei der Fotografie war Kodak gar über Jahrzehnte der unangefochtene Pionier und Platzhirsch. Bei den Kameras hat der Wettbewerb Kodak jedoch schon früh zu schaffen gemacht, beim Filmmaterial konnte man die Position hingegen erstaunlich lange halten, hat dann aber den rechtzeitigen Umstieg auf das digitale Zeitalter verpasst.

Weshalb diese Beispiele und was lernen wir daraus? Erster zu sein – wenn die Idee wirklich gut ist – ist eine Sache. Was in der Regel aber unterschätzt wird, der Aufwand und das Engagement, auch dauerhaft Erster zu bleiben und die Verfolger auf Abstand zu halten. Gelingt das nicht, und der Wettbewerb schließt auf oder überholt den Erfinder schließlich auch noch, ist das Ende nicht mehr fern. Denn als ursprünglich Erster ins Mittelfeld abzurutschen, damit können die wenigsten umgehen; das ist im Sport nicht viel anders.

So geschieht dies gerade im dynamischen Umfeld der Wearables. Neue aggressive Anbieter – zumeist aus Fernost – kommen, andere bleiben dafür auf der Strecke. Und dann sind einige Großkonzerne mit dabei und haben – sofern Wearables ein Teil ihrer Langfriststrategie sind, genügend Budget und Reserven, um auch eine eventuelle Durststrecke problemlos durchzustehen.

Und weil gerade die erste Runde eines schmerzhaften Bereinigungsprozesses eingesetzt hat, verkündet auch Intel, sich aus dem Geschäft zu verabschieden. Die Versorgung von Kunden mit Halbleitern soll davon jedoch unberührt bleiben. Für wie lange noch? Jeder, der mit amerikanischen Konzernen schon das Vergnügen hatte, weiß um die Qualität solcher Aussagen.

Und nun stellt auch noch TomTom Überlegungen an, das Thema Fitnesstracker und Wearables künftig kritischer zu bewerten. Insbesondere der Erfolg des Wettbewerbers Garmin scheint die Holländer ziemlich zu beeindrucken.

Des einen Freud, des anderen Leid. Garmin gibt Vollgas und hat offensichtlich Erfolg. Die Fossil Group gibt auch Vollgas und hat, sieht man sich die aktuellen Zahlen an, weit weniger Erfolg. Bei Apple ist die Informationspolitik sehr zurückhaltend, damit sind die Analysten auf Informationen Dritter angewiesen. Und schenkt man diesen Glauben, so gehen die Verkäufe der Apple Watch – gemessen an Apple Maßstäben – auch nicht gerade durch die Decke, aber um zum zweitgrößten Uhrenhersteller hinter Rolex, innerhalb von nurmehr zwei Jahren, aufzusteigen, hat es wohl doch gereicht. Wie es an dieser Stelle langfristig weitergeht, bleibt dennoch abzuwarten. Aktuell legt Apple mit der Ankündigung von WatchOS 4.0 und einer Apple Watch III, evtl. sogar noch in diesem Jahr, aber schon wieder nach.

Und dann ist da noch Samsung. Die vom Schweizer Stardesigner Yvan Arpa gezeichnete Gear S3 verkauft sich wie geschnitten Brot und das hat auch einigen traditionellen Uhrenherstellern Appetit gemacht, in den Ring zu treten und mitzuspielen. Als da wären: TAG Heuer mit der Connected, Montblanc mit der Summit, Louis Vuitton mit der Tambour Horizon und nun auch noch Porsche Design mit dem Partner Huawei, immerhin der weltweiten Nummer drei im Telekommunikationsbereich.

Last but not Least möchte auch die Swatch Group das Geschäft nicht dauerhaft anderen überlassen und hat für 2018 gar die Präsentation eines eigenen Betriebssystems in Aussicht gestellt.

Das sind klare Ansagen und Signale, haben es sich die neuen und künftigen Player auf dem Parkett der Wearables doch vermutlich gut überlegt, auf was sie sich hier einlassen. Also bleiben wir am Ball und schlagen ein weiteres Kapitel auf.

Der Autor:

Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobil- und Luxusgüterindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen und Trends auf dem Sektor für hochwertige Uhren und neue Technologien.

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