Im Praxistest: Samsung Gear Fit2 Pro

Samsung ergreift bei Wearables die Flucht nach vorne. Nachdem der Markt insgesamt wächst, der ein oder andere dem enormen Druck jedoch nicht Stand hält, steigen die ersten bereits wieder aus. So geschehen mit Jawbone, so geschehen bei Motorola, so geschehen bei Sony, nur um die wichtigsten Aussteiger zu nennen.

Wer aktuell zum Thema Wearable befragt wird, bekommt Namen genannt, die sich bequem an einer Hand abzählen lassen. Apple, Garmin, Fitbit, Samsung, Huawei und vielleicht noch Xiaomi. Letzterer in der westlichen Hemisphäre eher unbekannt, dafür dominant in China. Vielen andere Marken und Hersteller spielen auf dem Weltmarkt hingegen eine untergeordnete Rolle. Das gilt auch für die vielen Produkte, die mit Googles´s Android Wear als Betriebssystem ausgestattet sind.

Was aber unterscheidet nun Samsung von den oben genannten direkten oder indirekten Wettbewerbern? Nahezu alle zuvor genannten Wettbewerber der TOP 5 Klasse benutzen ihr eigenes Ökosystem, sprich ihr eigenes Betriebssystem. Das macht weitgehend unabhängig und erlaubt die Anbindung der Geräte an Apples iOS genauso wie die Koppelung mit Smartphones, die mit Android betrieben werden. Die Ausnahme von dieser Regel bildet Apple. Apple kann und will nur mit Apple.

Samsung hat sich hingegen geöffnet. Zwar wurde das iPhone in früheren Tagen in der Pflege vernachlässigt, aber die Apple Gemeinde außen vor zu lassen, war ein Denkfehler, und kein guter Schachzug, der aber erkannt und rasch nachgebessert wurde.

Beim unlängst durchgeführten Test der Samsung Gear S3 haben wir bei der Nutzung in Verbindung mit dem iPhone den noch immer etwas geringeren Funktionsumfang moniert. An dieser Stelle hat Samsung also nach wie vor Potenzial, wenngleich Apple weiterhin bestrebt sein dürfte, das Tor für Samsung nicht vollständig zu öffnen, um sich den eigenen Heimvorteil für die Apple Watch abzusichern.

Nun war es natürlich spannend, den neu auf der IFA 2017 in Berlin vorgestellten Fitnesstracker Samsung Gear Fit2 Pro einem ausführlichen Test zu unterziehen.

Aber eine Frage mussten wir gleich zu Beginn stellen: Handelt es sich bei bei der Gear Fit2 Pro um einen reinrassigen Fitnesstracker, wie ihn die Konkurrenz zuhauf und in einer mittlerweile unüberschaubaren Variantenvielfalt anbietet, oder eine von der Gear S2 bzw. S3 abgeleitete Smartwatch?

Die Antwort lautet klar und deutlich: Die Gear Fit2 Pro vereinigt beide Welten in einem Gerät!

Der Samsung Tracker hat mit Einsteigergeräten von Anbietern wie Garmin oder Fitbit nichts, aber auch gar nichts gemeinsam. Wenn er sich überhaupt irgendwo einsortieren lässt, dann schon wegen seines vergleichsweise hohen Preises unter den jeweiligen High-End Geräten. Das war bei seinem Vorgänger, dem Modell Gear Fit 2, aber auch schon so.

Vielmehr – und damit relativiert sich der hohe Preis auch zum Teil bereits wieder – ist der neue Gear Fit2 Pro Tracker eine sehr gut gelungene Mischung zwischen einem klassischen Fitnesstracker mit allem Drum und Dran und einer vollwertigen, reichlich ausgestatteten Smartwatch, eben auch mit (fast) allem Drum und Dran.

Gut, dann lassen wir uns überraschen, wie sich das neue Gerät im Praxistest über mehrere Wochen schlägt.

Verarbeitung und Wertigkeit:

Die Verpackung der Gear Fit2 Pro ist so, wie es von einem hochwertigen Fitnessarmband erwartet wird. Nichts für die Ewigkeit, aber doch so, dass man die Verpackung gerne aufbewahrt und nicht gleich beschämend entsorgt. Alles ist in der schwarzen Box vergleichsweise gut geschützt und ansprechend untergebracht. Wir setzen hier bewusst einen anderen Maßstab an als bei der Gear S3, die in dieser Hinsicht nicht voll überzeugen konnte, aber auch für deutlich mehr Geld als hochwertige, smarte Uhr den Besitzer wechselt.

 

Nach dem Auspacken wird schnell klar, dass die Gear Fit 2 Pro mit guter Materialwahl und erstklassiger Verarbeitung aufwarten kann. Im Gegensatz zum Vorgängermodell hat sich Samsung bei der Pro Variante nicht mehr für ein Schlaufenarmband mit Druckverschluss, sondern für eine konventionelle Dornschließe entschieden. Das mag weniger stylisch wirken, ist aber hochwertiger und robuster. Hier kann nichts ausleiern, wie das bei einem Druckverschluss nach vielfachem Gebrauch zwangsläufig der Fall ist.

Schade, dass das Aufladen nicht wie bei der S3 über eine induktive Ladeschale erfolgt, sondern einmal mehr eine proprietäre Magnethalterung mit insgesamt 4 Kontakten mitgeliefert wird. Die 4 symmetrisch angeordneten Kontakte deshalb, damit es keine Rolle spielt, wie herum der Tracker auf die Ladeschale gelegt wird.

An dieser Stelle könnte Samsung unseres Erachtens nachbessern und in einer nächsten Generation das gleiche Ladeverfahren, mit tunlichst demselben Ladeadapter wie bei der S3, zur Anwendung bringen.

Design und Tragekomfort

Legt man die Gear Fit2 Pro ans Handgelenk, so schmiegt sie sich wegen des gebogenen Displays perfekt an. Das gilt allerdings – oder sagen wir besser leider – nicht für zarte Damenhandgelenke. Hierfür ist der gewählte Krümmungsradius etwas zu groß. Abgesehen von dieser Ausnahme sitzt der Tracker perfekt und ist schon nach kurzer Zeit kaum noch zu spüren. Dem trägt auch das höchst angenehme Armband Rechnung.

Leider nicht ganz zu Ende gedacht ist die Schlaufe zum Fixieren der Bandüberlänge. Diese Schlaufe verfügt innen über einen Rastpunkt, der diese entsprechend des Lochabstandes in Position halten sollte. Tut er aber nicht, da viel zu schwach dimensioniert. D.h. die Schlaufe bleibt nicht in der gewählten Position und rutscht nach Belieben hin und her. Schade, der Mangel ließe sich aber mit einer einfachen Werkzeugänderung rasch beheben.

Das Design wirkt am Handgelenk sehr gelungen und entspricht dem hohen Tragekomfort. Zum Schutz des Displays verwendet Samsung kratzbeständiges Gorillaglas 3. Das sollte einer normalen Beanspruchung gut standhalten.

Das mitgelieferte Armband, zu Bestellen in L (long) oder S (short), lässt sich wechseln und gegen ein neues Band austauschen. Allein der Wechsel geht nicht besonders einfach von der Hand. Die Rastung arbeitet vergleichsweise schwergängig. Einerseits gut, so löst sich versehentlich nichts, aber für unseren Geschmack eben doch etwas filigran und deutlich zu schwergängig.

Display

Das eigentliche Highlight der Gear Fit 2 Pro ist zweifelsohne das Display. In dieser Disziplin degradiert Samsung nahezu alle anderen auf dem Markt befindlichen Wettbewerber. Allein die neue Apple Watch 3 sowie die Fitbit IONIQ können in dieser Disziplin auf Augenhöhe mitspielen. Beste Farbbrillanz und ein extrem hohes Kontrastverhältnis sorgen neben der guten Auflösung für perfekte Ablesbarkeit.

Das gekrümte Super AMOLED Display besitzt eine Diagonale von beachtlichen 1,5“ und löst mit 216x432px auf und kann dabei 16 Mio. Farben darstellen.

Ein echter Fauxpas ist jedoch die fehlende automatische Helligkeitsregulierung. Zwar kann die Helligkeit in insgesamt 11 Stufen (inkl. einem speziellen Outdoormodus) manuell justiert werden, aber komfortabel ist das nicht. Mit der Gear S3 zeigt Samsung, dass es sehr wohl auch anders geht. Hier wurde am falschen Ende gespart!

Im normalen Tragemodus ist das Display dunkel geschaltet, was der eleganten Optik des Bandes entspricht. Nach Anheben des Handgelenks wird das Display aktiviert. Das funktioniert sehr zuverlässig. Wahlweise kann auch ein Always-On Modus aktiviert werden, der aber beim Fitnesstracker weitaus weniger Sinn ergibt, denn bei einer Smartwatch, die letztlich als vollwertige Uhr durchgehen möchte.

Ein für uns und alle Outdoor Aktiven wichtiges Kriterium ist die Ablesbarkeit bei grellem Sonnenlicht. Auch hier kann die Gear Fit2 Pro punkten, sofern zuvor die Helligkeit entsprechend hochgedreht wurde.

Es gibt sogar noch eine spezielle Outdooreinstellung, bei der das Display im Boost-Modus betrieben, dann aber thermisch hoch beansprucht wird und deshalb über eine nur kurze Einschaltdauer verfügt. Wir kamen im Sonnenlicht auch mit Stufe 10 gut zurecht. In Innenräumen genügt Stufe 5. Abends im Lokal oder im Theater wird dann auf Stufe 1 gedrosselt und so eine immer noch ausreichende, aber gleichzeitig dezente Ausleuchtung bewirkt. Aber eben alles manuell, wie gesagt; das ist dieser Preisklasse nicht würdig!

Als Schutz für das Display dient ein Corning Gorilla Glas 3, welches eine hinreichende Kratzfestigkeit aufweist und sich damit wohltuend von den sonst häufig verwendeten kratzempfindlichen Kunststoffgläsern abhebt.

Zudem ist es Samsung gelungen, eine Glassorte bzw. eine Beschichtung zu wählen die nahezu unempfindlich gegen Fingerabdrücke ist. D.h. die Displayoberfläche sieht eigentlich immer sauber aus, obgleich die Bedienung überwiegend per Touchscreen erfolgt.

Inbetriebnahme und Akkulaufzeit

Der Arbeitsspeicher ist mit 0,5 GB ausreichend groß bemessen. Eine Dual-Core-CPU mit 1 GHz sorgt für eine flüssige Darstellung und kurze Reaktionszeiten. Der 200 mAh-Akku wurde gegenüber dem Vorgängermodell nicht verändert und hält bei durchschnittlichem Gebrauch rund 2 Tage. Die von Samsung in Aussicht gestellten 3 Tage haben wir allerdings nie erreicht. Wird mit der Gear Fit2 Pro gar etwas intensiver gearbeitet und zu einzelnen Workouts auch GPS aktiviert oder der integrierte Music-Player bemüht, so werden aus den 2 Tagen dann schnell nur noch 1 Tag. Das ist deutlich verbesserungsfähig. Wettbewerber wie Garmin oder Fitbit zeigen, was an dieser Stelle aktuell möglich ist.

Dafür geht das Laden zügig über die Bühne. Hier kommt der Vorteil der Direktkontaktierung zum Tragen; keine Verluste durch induktive Energieübertragung. Nach rund 1,5 Stunden ist der Akku wieder voll.

Wird die Gear Fit2 Pro nach dem Auspacken und anschließenden Aufladen mit dem Smartphone gekoppelt, in unserem Fall mit Android 7.0, so wird zunächst die zugehörige Samsung App, die Health App, sowie im Laufe der Installation dann noch mehr oder weniger automatisch das Samsung Gear Fit Plug-In sowie eine Samsung Accessory App nachinstalliert.

Klingt kompliziert und langwierig, ist es aber nicht. Der Installationsprozess läuft mittlerweile weitgehend automatisch und fehlerfrei ab. Lediglich die ein oder andere Abfrage bzw. Bestätigung durch den User sind zu durchlaufen.

Das Nachinstallieren sog. Plug-Ins erweist sich seitens Samsung als kluger Schachzug, da die Basis App stets unverändert bleibt und die gerätespezifische Anpassung eben über jenes proprietäre Plug-In erfolgt.

Das hat zudem den großen Vorteil, dass mehrere Geräte wechselweise auf ein und dieselbe App zugreifen können. In unserem Fall war das die bereits früher getestete Gear S3 und nun zusätzlich die Fit2 Pro. Mit dem jüngsten Update wurde nun sogar ein Betriebsmodus integriert, der das jeweils getragene Gerät automatisch erkennt und mit der Samsung App kommunizieren lässt. Clever gemacht!

Über diese Kommunikationsstrecke wird dann auch die umfangreiche Samsung Health App mit den aufgenommenen Daten versorgt. Und die Übertragung der Daten auf´s Smartphone erfolgt selbst dann, wenn gerade keine Internetverbindung besteht. Das ist die weitaus bessere Lösung als bei so manchem Wettbewerber, bei dem das nur möglich ist, wenn das Smartphone per Internet mit der Cloud verbunden ist.

Technologie

Samsung betreibt mit dem Betriebssystem Tizen eine eigenständige Betriebssystem-Plattform. Das bringt eine Menge Vorteile, aber auch ein paar Nachteile. Die Vorteile überwiegen aber am Ende, da so Soft- und Hardware bestmöglich aufeinander abgestimmt werden können. Das ist so bei Apple, das ist so bei Garmin und auch bei Fitbit. All diejenigen, die sich diesen Aufwand weder leisten können, noch leisten wollen, müssen dann meist mit Google´s Android Wear zurecht kommen und sind damit fast immer zweiter Sieger.

Bereits beim Hochstarten der Gear Fit2 Pro merkt man, wie zuvor auch schon bei der Gear S3, wie rasch und flüssig alles vonstatten geht. Dagegen benötigt das schwerfällige Android Wear 2.0 in neuester Ausprägung eine halbe Ewigkeit, bis alles rund läuft.

Hinsichtlich Fertigungstiefe kann neben Samsung allenfalls noch Garmin mithalten. Hier wie dort, wird nahezu alles im eigenen Hause entwickelt und gefertigt, wobei Samsung sogar in Sachen Mikrocontroller und Display lieber auf Komponenten aus eigener Produktion vertraut.

Spektakulär für ein elektronisches Gerät ist mit der neuen Pro-Variante die Auslobung der uneingeschränkten Wasserdichtigkeit bis zu einer bestimmten Tauchtiefe, wie man es von traditionellen Uhren her kennt. Zuvor war meist von IP67 oder IP68 die Rede. Begriffe, mit denen niemand etwas anfangen konnte und letztlich auch keine wirkliche Wasserdichtigkeit garantiert haben.

Nun spezifiziert Samsung die Gear Fit2 Pro bis 5atm wasserdicht, was nichts anderes bedeutet, als dass das Fitnessband nun erstmals ohne Einschränkung beim Schwimmen getragen werden kann und in Zusammenarbeit mit dem Drittanbieter SPEEDO auch eine App zur Verfügung gestellt wird, die sich speziell an die Schwimmer unter den Sportlern wendet.

Konnektivität und Kompatibilität

Die Kompatibilität mit Android Smartphones, und neuerdings auch iOS ist vergleichsweise gut, wenngleich nicht in allen Punkten perfekt gelungen. Hinsichtlich Funktion gibt es sowohl im einen, wie im anderen Fall wenig auszusetzen, jedoch ist der Funktionsumfang i.V. mit dem iPhone etwas geringer. So lassen sich Benachrichtigungsfunktionen beispielsweise weniger exakt auswählen und die Samsung-eigene Gesundheits-App, Samsung Health genannt, wurde – mit geringerem Funktionsumfang – vollumfänglich in die iPhone App integriert. Für Nutzer von Android Telefonen wurde hingegen eine eigenständige App entwickelt, die ganz hervorragend funktioniert und den Nutzer, ähnlich wie die Apple Watch das vermittelt, mit dezenten Hinweisen über den Tag hinweg tatsächlich zu größerer Aktivität motiviert.

Die Gear Fit2 Pro ist neben Bluetooth zusätzlich mit einem WLAN-Modul ausgestattet. Damit kann, sollte die Bluetooth-Reichweite nicht ausreichen, über das lokale Netzwerk mit dem Smartphone kommuniziert werden. Auf den Stromverbrauch hat die Aktivierung des WLAN-Moduls erfreulicherweise keinen nennenswerten Einfluss.

Die Bluetooth-Verbindung selbst arbeitet stabil und verbindet sich nach Abriss der Verbindung zum Smartphone rasch wieder, sobald die Geräte in Reichweite zueinander kommen. Allerdings ist die Reichweite der Bluetooth-Verbindung nicht die allerbeste. Auch ist die Gear Fit2 Pro etwas wählerisch in Bezug auf andere Geräte, die zu gleicher Zeit mit dem Smartphone gekoppelt werden. Nachdem wir zusätzlich den Tracker eines Wettbewerbs aktiviert und aufgeschaltet hatten, quittierte die Gear Fit2 Pro die Freundschaft mit dem Smartphone gelegentlich und wollte dann manuell wieder neu verbunden werden. Hier sollte Samsung nachbessern, um Kundenverärgerung zu vermeiden. Von dieser Ausnahme abgesehen, arbeitete die BT-Verbindung stabil und zuverlässig.

Funktionalität und Bedienkonzept

Wird über das Bedienkonzept der Samsung Gear Modelle, basierend auf dem eigenen Betriebssystem Tizen gesprochen, so wird häufig lobend die einzigartige und bisher einmalige Drehlünette erwähnt.

Dies gilt aber natürlich nur für Gear Modelle mit rundem Display. Die Gear Fit2 Pro kann damit nicht aufwarten und muss ohne dieses Hilfsmittel zurecht kommen. Wir waren gespannt zu sehen, ob das gut geht.

Nach kurzer Eingewöhnung können wir uneingeschränkt sagen, dass die Bedienung auch ohne zusätzliche Drehlünette hervorragend und, hier wie dort, in hohem Maße intuitiv funktioniert.

Hilfreich in diesem Zusammenhang ist die längliche Form des Displays, die es erlaubt, zahlreiche Funktionen über Hinauf- oder Herunterscrollen sichtbar zu machen und dabei rasch die gewünschte Position zu finden.

Die beiden seitlich angeordneten Drucktasten sind mit der gewohnten Zurück-, bzw. Home-Funktion belegt. Auch das Aufrufen der ersten Menüebene über die Betätigung der Home-Taste ist unverändert übernommen worden.

Insofern stellen der Umstieg bzw. auch der alternierende Gebrauch einer Gear mit oder ohne Drehlünette den Nutzer vor keinerlei Probleme.

Der aus dem Vorgängermodell übernommene GPS-Sensor nimmt seine Arbeit nicht ganz so flott auf wie bei der Gear S3, bewegt sich im Vergleich zum Wettbewerb aber noch im Rahmen.

Neu ist ein integrierter NFC-Chip. Leider ist Samsung Pay per NFC in Deutschland nach wie vor nicht verfügbar. Aber irgendwann wird der Tag X kommen und dann können, wie das in zahlreichen anderen europäischen Ländern schon der Fall ist, Zahlungen per Handbewegung kontaktlos über die neuen Kassenterminals abgewickelt werden.

Sowohl die Pulsmessung als auch der Schrittzähler arbeiten im Sport- bzw. Workoutmodus ausreichend genau, wobei insbesondere der Schrittzähler jedoch noch Potenzial besitzt. Wird nämlich kein Sport oder sonst ein der Gear bekannter Bewegungsablauf absolviert, verliert der installierte Algorithmus etwas die Spur. Dann werden über den (Büro-)Alltag hinweg Schritte gezählt, die sicherlich nicht stattgefunden haben. Unser Referenzgerät ist an dieser Stelle sehr viel selektiver und genauer und so ergaben sich schon mal Unterschiede von bis zu 100%. Das ist für einen hochpreisigen Fitnesstracker eindeutig zu viel des Guten.

Darüber hinaus sind eine ganze Reihe von Workouts voreingestellt, so dass für die meisten Freizeitsportler, zu denen auch wir uns zählen, alles Wichtige dabei ist. Beim neuesten Firmware-Update wurde eine automatische Workout-Erkennung implementiert, die dafür sorgen soll, dass ein Workout auch selbst dann erkannt wird, wenn beispielsweise zuvor vergessen wurde, dieses manuell zu aktivieren.

Das ist zwar eine an sich gute und innovative Idee, die Umsetzung offenbart jedoch noch ein paar Schwächen. Just nach Einspielen des Updates und längerer Arbeit am PC sowie intensiver Bearbeitung der Tastatur, was mit einem Workout natürlich nicht im entferntesten etwas zu tun hat, meldet die Gear Fit2, nach rund 10 Minuten schneller Anschläge auf der Tastatur, ein Workout mit dem Fahrrad und gibt auch gleich ein „Weiter So“ aus. Das regt dann zum Schmunzeln an, zeigt aber auch, wie schwierig es für die Entwickler ist, stabile und absolut zuverlässige Algorithmen zu entwickeln, die jeden Bewegungsablauf genau analysieren und kategorisieren.

Im Rahmen eines ausgewählten Workouts können in einstellbaren Intervallen die aktuellen Meßdaten (Dauer, Restdauer, Puls, verbrauchte Kalorien) akustisch ausgegeben werden. Dies erfolgt über ein angeschlossenes Bluetooth Headset, über das auch auf die Gear Fit2 übertragene Musiktitel abgespielt werden können. Das Smartphone kann so beim Sport in der Garderobe bleiben.

Hervorragend ist die 100%-ige Wasserdichtigkeit der Gear Fit2 Pro zu werten. Gespannt waren wir auch darauf, wie sich das Touchdisplay im und am Wasser oder auch unter der Dusche verhält. Dort wo das Display der Gear S3 bei Beregnung unter der Dusche noch reichlich verrückt hin- und herspringt, bleibt die Gear Fit2 Pro absolut ruhig. Das Display wird bei Auftreffen von Wassertropfen einfach dunkel geschaltet. Dasselbe geschieht bei schnellem Untertauchen. So werden Fehlbedienungen oder die Fehlauslösung von Funktionen sicher vermieden. Eine, wie wir meinen, durchaus praxisgerechte Lösung.

Was wir hingegen wieder vermissen, ist ein Kompass sowie die Anzeige von Luftdruck und absoluter Höhe. Obgleich ein Drucksensor zum Zählen von erklommenen Stockwerken verbaut ist, muss zur Anzeige der absoluten Daten eine kostenpflichtige App eines Drittanbieters installiert werden.

Im Gegensatz zu den im Sportbereich führenden Wettbewerbern Garmin und Fitbit lässt sich die Samsung Health App nicht per Web-Browser betrachten und bedienen, so dass die Analyse der eingespielten Daten am großen und damit übersichtlichen Bildschirm eines PC bislang leider nicht möglich ist. Auch an dieser Stelle sollte Samsung nachbessern, um damit die Akzeptanz, speziell unter den Sportlern, nochmals zu erhöhen.

Stellen wir die Vor- und Nachteile gegenüber

Pro´s

  • Hochwertige Materialien, perfekte Verarbeitung
  • Wasserdicht bis 5atm, auch im Meerwasser
  • Sehr angenehmer Tragekomfort
  • Auswechselbares Armband
  • Problemlose Inbetriebnahme
  • Hohe Funktionssicherheit, keine Systemabstürze oder „Ruckler“
  • Detailreiche Watchfaces
  • Hervorragendes Bedienkonzept, trotz fehlender digitaler Lünette
  • Ausreichend großer Speicher
  • Integrierter Music-Player
  • Reichhaltige Ausstattung mit Sensoren: Pulsmesser, GPS, NFC, Drucksensor
  • Vielfältige Einstellmöglichkeiten, selbst die Intensität des Vibrationsalarms
  • Eigener Google-unabhängiger App-Store
  • Gutes Angebot an Apps von Drittanbietern und Sportprogrammen wie SPEEDO oder Under Armour
  • Eigenes Betriebssystem Tizen
  • Hervorragend  ablesbares Display, aber ohne autom. Helligkeitsregulierung
  • Gute Lesbarkeit der Notifications auf dem länglichen Display (sogar deutlich besser als auf der Gear S3)
  • Gut gelöste Verriegelung des Display im Wasser oder beim Duschen
  • In der Gear App können mehrere Geräte angelegt und verwaltet werden
  • Vom jeweilig getragenen Gerät werden die Daten automatisch in die Health-App übernommen, auch wenn das Smartphone gerade nicht online ist.

Cont´s

  • Zahl der verfügbaren Apps ist noch ausbaufähig
  • Funktionsumfang i.V. mit iPhone etwas geringer als mit Android-Smartphone
  • Keine VO2 max Messung möglich
  • Keine Kompassfunktion
  • Trotz Drucksensor keine Anzeige von Luftdruck und absoluter Höhe (nur über kostenpflichte App eines Drtittanbieters)
  • Keine Navigationsfunktion (nur über kostenpflichte App eines Drtittanbieters)
  • Bluetooth-Verbindung nicht 100% zuverlässig
  • Kurze Akkulaufzeit von im Schnitt nur 1-2 Tagen (bei intensiverer Nutzung)
  • Kein Helligkeitssensor für das Display
  • Vergleichsweise ungenaue Zählung der Schritte; viele Artefakte werden aufgenommen (schlechter als Gear S3)
  • Samsung Health nicht per Web-Browser einseh- und auswertbar
  • Notifications lassen sich nicht einzeln löschen
  • Für zarte Damenhandgelenke leider nicht geeignet
  • Schlaufe zur Fixierung der Bandüberlänge bleibt nicht in Position
  • Kein induktives Laden wie bei Gear S3
  • Vergleichsweise hoher Preis

Bewertung X von 10 möglichen Punkten:

Eigenschaften

Samsung
Gear Fit2 pro

Unboxing

8

Verarbeitung und Wertigkeit

10

Design und Tragekomfort

10

Inbetriebnahme

10

Connectivity und Kompatibilität

8

Funktionalität und Bedienoberfläche

10

Fitnessfunktionen und Wasserdichtigkeit

9

Display und Anzeigen

8

Akkulaufzeit

5

Imagefaktor und Emotionaler Aspekt

9

Preis-/Leistung

8

After Sales Kundensupport

5

Ergebnis

8,3

Fassen wir zusammen

Samsung ist mit der Gear Fit2 Pro ein interessanter Schachzug gelungen. Das Gerät ist die fast ideale Kombination aus hochwertigem Fitnesstracker und gut ausgestatteter Smartwatch mit hoher Funktionalität. Dort, wo punktuell noch Defizite ausgemacht werden konnten, kann über Software-Updates nachgebessert werden.

Hardwareseitig stünde die fehlende Kompassfunktion ganz weit oben auf der Liste der Outdoor-Aktivisten und natürlich der fehlende Helligkeitssensor für das sonst so perfekte Display. Dieser Mangel ist mehr als betrüblich, schränkt er doch den sonst so hohen Bedienungskomfort völlig unnötig ein, deshalb erfolgt bei der Kategorie „Display und Anzeigen“ auch eine Abwertung. Dass Samsung diese Technik an anderer Stelle perfekt beherrscht, zeigt die Gear S3. Die Gear Fit 2 Pro hätte dieses Feature ebenso verdient.

Was ebenfalls deutlich Potenzial zeigt, ist die Akku-Laufzeit. Die von Samsung in Aussicht gestellten 3 Tage konnten wir in keinem Fall erreichen. Nach spätestens 48 Stunden war Schluss. Und bei Nutzung von GPS und Music-Player schon deutlich früher. Also muss der Fitnesstracker alle 1 – 2 Tage ans Ladegerät. Das können andere deutlich besser. Garmin oder auch Fitbit zeigt beispielsweise mit der neuen IONIQ eindrucksvoll, was möglich ist.

Dennoch hat Samsung sehr viel richtig gemacht. Speziell die vielen vorinstallierten Workouts begeistern und die automatische Workouterkennung sorgt dafür, dass selbst dann, wenn der Nutzer vergessen sollte, ein Workout manuell zu starten, die Aufzeichnung automatisch startet. Allerdings arbeitet der hierfür hinterlegte Algorithmus (noch) nicht ganz fehlerfrei.

Von großem Nutzen ist die jetzt bis 5atm garantierte Wasserdichtigkeit und damit verbundene Tauglichkeit auch Workouts für den Wassersport installieren und nutzen zu können. Die Zusammenarbeit mit SPEEDO und Under Armour ist hier nur konsequent.

Die Gear Fit2 Pro ist mit der Vielzahl der Funktionen und Einsatzmöglichkeiten zum echten Allrounder geworden, der nicht nur schick aussieht sondern sich auch betont angenehm trägt. Die Gear Fit2 Pro leistet sich in Summe nur wenige Schwächen und ist ein hervorragender und sehr nützlicher Begleiter durch den Alltag.

Für den nicht ganz geringen Listenpreis von 229 EUR erhält der Kunde ein Produkt, was nicht nur Technologie auf höchsten Niveau bietet, sondern angefangen vom Mikroprozessor, über das erstklassige Display bis zur hauseigenen Software auch konsequent „Made by Samsung“ ist.

Auf dem deutschen Markt zählt Samsung zweifellos zu den führenden Anbietern von hochwertigen Wearables und intelligenten Uhren, die neue Gear Fit2 Pro ist das beste Beispiel hierfür.

Der Autor

Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobil- und Luxusgüterindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen und Trends auf dem Sektor für hochwertige Uhren und neue Technologien.

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