Deutschland verschläft die Digitalisierung

Mit Deutschland steht es bei der Digitalisierung nicht zum Besten. Die vollmundigen Versprechungen und Ausführungen unserer Politiker erweisen sich bei genauerem Hinsehen immer mehr als Luftnummer.

Gerne wird vom Autonomen Fahren gesprochen und darauf verwiesen, wie weit die Entwicklung bei den deutschen Automobilherstellern, im Vergleich zur internationalen Konkurrenz, vorangeschritten sei. Allerdings – und das wird immer deutlicher – hinkt Deutschland beim Ausbau der digitalen Infrastruktur, die für solch mächtige und datenfressende Projekte die zwingende Voraussetzung wären, mächtig hinterher.

Wie bemerkte der Chef von Siemens, Joe Kaeser, jüngst zutreffend: “ Solange ich auf dem extrem stark frequentierten Autobahnabschnitt von München nach Nürnberg keine durchgehend stabile LTE-Verbindung vorfinde, mache ich mir um die erfolgreiche Einführung des Autonomen Fahrens noch keine Gedanken“.  Das ist eine sehr ernüchternde Feststellung.

So wird das nichts mit dem Autonomen Fahren

Und in der Tat zeigt die aktuelle Erhebung von OpenSignal, dass schnelles Internet in Deutschland Mangelware ist. Hierzulande  fehlt es in weiten Teilen der Republik an den technischen Voraussetzungen.

Das verdeutlicht einmal mehr eine aktuelle Ländervergleichsstudie. Danach surft man in Litauen, einem Land mit nur zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung der BRD, 72 Prozent schneller als im deutschen 4G-Netz und kommt auch noch im Großteil des Landes in den Genuss der neuen Technik. Die mit Abstand beste Netzabdeckung gibt es in Norwegen. Aber selbst weniger technologieaffine Länder wie Ungarn oder Tschechien zeigen uns in dieser Disziplin wo vorne ist.

Zwar versucht die Bundesregierung den Anschein zu erwecken, dass sie den Ernst der Lage begriffen habe, und ernennt neben Andreas Scheuer zusätzlich noch Dorothee Bär als Staatsministerin für die Digitalisierung – diese träumte aber noch vor wenigen Wochen lieber von Flugtaxis als von schnellem mobilem Internet.

Infografik: 4G ist in Deutschland immer noch Neuland | Statista

Gemäß der Grafik sind nur noch Russland, Armenien, Weißrussland und Irland schlechter mit LTE versorgt. Für den Industriestandort Deutschland ein höchst blamables Ergebnis.

Und das nächste Desaster kündigt sich bereits bei Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G an. Die Versteigerung der Lizenzen verschiebt sich aus rein bürokratischen Gründen erneut und soll nun erst Mitte 2019 erfolgen. Unverständlich bleibt, dass die Verantwortlichen in der deutschen Industrie an dieser Stelle so unendlich leidensfähig sind und die Füße still halten.

Ein weiteres Beispiel ist das mobile und damit bargeldlose Bezahlen per Smartphone oder Smartwatch. Auch in dieser Hinsicht ist Deutschland Schlusslicht. Moderne Bezahlmethoden wie Apple Pay, Samsung Pay oder Android Pay sind in Deutschland bislang ein Fremdwort. In unseren Nachbarstaaten ist das mittlerweile Standard.

Nein, wir stehen nach wie vor lieber mit einer Engelsgeduld am Parkautomaten und suchen verzweifelt das passende Stück Kleingeld im Portmonnaie. Und die antiquierte Kiste ist oftmals nicht einmal in der Lage, Wechselgeld zurückzugeben, statt einfach das mit NFC-Chip bestückte Smartphone oder die entsprechende Smartwatch an den Empfänger zu halten und gut ist es.

Infografik: Mobile Payment läuft in Deutschland noch nicht

In Europa sind in dieser Disziplin England und Frankreich führend. Deutschland ist einmal mehr Schlusslicht.

Sollte die neue, alte Regierung endlich aus ihrem Dornröschenschlaf aufwachen und das Thema Digitalisierung auch nur im Ansatz ernst nehmen, so heißt es hier nun tatsächlich volle Kraft voraus, sonst bleiben wir auf der Strecke und neue Technologien, wie Autonomes Fahren werden woanders stattfinden. Hatten wir das nicht schon einmal? Richtig, der ein oder andere mag sich noch an die Magnetschwebebahn erinnern, deren Technologie jetzt die Chinesen einsetzen.

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