Messe Berlin: IFA 2018, ein smarter Rückblick

Die Internationale Funkausstellung (IFA), wie sich die erstmals im Jahre 1924 in Berlin abgehaltene Industriemesse nennt, hat, auch 94 Jahre später, nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt. Ganz im Gegenteil.

Die IFA in Berlin zeigt überdeutlich, wie eine gute Messe sein muss, wie eine gute Messe funktioniert und wie eine gute Messe es schafft, über Jahrzehnte hinweg sich immer wieder neu zu erfinden und sich dem Zeitgeist nicht nur zu stellen, sondern als Trendsetter vorne dabei zu sein.

Da sollte so mancher, der davon spricht, dass Messen in der Zukunft überflüssig und vielleicht gar nicht mehr benötigt würden, einfach mal nach Berlin fahren und auf der IFA ein paar Eindrücke einsammeln und zu weiteren Überlegungen mitnehmen.

Mit 245.000 Besuchern (davon 150.000 Fachbesucher) an nur 8 Messetagen, wobei die ersten beiden ausschließlich den rund 6.000 Journalisten aus 75 Ländern vorbehalten waren, setzt die IFA ein klares Signal.

Wie sagte Albert Einstein anlässlich der Eröffnungsrede für die 7. Funkausstellung in Berlin am 22. August 1930: „Der Urquell aller technischen Errungenschaften ist die göttliche Neugier und der Spieltrieb des bastelnden und grübelnden Forschers und nicht minder die konstruktive Phantasie des Erfinders“.

 

Mit über 1.800 Ausstellern und mehr als 160.000 m² belegte Hallenfläche haben wir diesmal ganze 4 Tage dort verbracht, um die neuesten Trends aufzuspüren und die aktuellen Highlights herauszuarbeiten.

Das Wahrzeichen der IFA: Der Funkturm auf dem Messegelände in Berlin

Wir haben uns zwar primär wieder im Bereich Health, Fitness und Wearables umgesehen, jedoch kommt man nicht mehr umhin, die aktuelle Generation der Wearables in einem deutlich erweiterten Kontext zu sehen.

Und dieser erweiterte Kontext heißt Connectivity. D.h. alles und jeder sind 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr miteinander vernetzt.

Pressekonferenz bei Samsung

Ob uns das gefällt oder nicht, ist nicht mehr die Frage. Die Frage lautet eigentlich nur noch in welcher Form und in welchem Umfang das ein oder andere stattfindet, wie sich jeder Einzelne in diesem dynamischen Umfeld positioniert und mit diesen neuen Herausforderungen umgeht.

Artificial Intelligence & Internet of Things

Die durchgängige Vernetzung, gekoppelt mit Künstlicher Intelligenz (Artificial Intelligence) waren die zentralen Themen der diesjährigen IFA. Wurde in den vergangenen Jahren an einzelnen Insellösungen bereits erkennbar, wo die Reise hingehen könnte, so liegen nun fertige Szenarien und die dazugehörigen marktreifen Produkte auf dem Tisch.

Begriffe wie Smart Home oder Smart City sind fest etabliert und es scheint nur noch eine Frage der Zeit, wie jeder einzelne von uns davon betroffen sein wird. Ob freiwillig, da der ein oder andere einen vorteilhaften persönlichen Nutzen für sich erkennen kann oder eher unfreiwillig, weil im Zuge der Digitalisierung ohnehin so ziemlich alles auf den Kopf gestellt wird, was uns gestern und vielleicht auch heute noch heilig war und ist.

Da stellen die Kabelnetzbetreiber von einem Tag auf den anderen die Ausstrahlung analoger Fernseh- und Rundfunkkanäle ein und bieten fortan nur noch Digitales an. Das kommt in seiner Qualität dem vieldiskutierten und vereinzelt bereits verhängten Dieselfahrverbot schon recht nahe. Im einen, wie im anderen Fall wird der Verbraucher, sprich der zahlende Endkunde, nicht befragt. Die Einflussnahme auf jeden Einzelnen nimmt mit der Digitalisierung eher zu, denn ab. Sich dem zu verschließen wäre aber kontraproduktiv, also lohnt es zweifellos, sich intensiver damit zu beschäftigen, um die Zukunft besser zu verstehen und sich entsprechend darauf einzustellen und die sich bietenden Möglichkeiten bestmöglich zu nutzen.

Damit einher geht auch ein neues Mensch-Maschine-Interface. War die Spracheingabe in ihren Anfängen gut für´s Autofahren, um beispielsweise ein Telefonat unter bloßer Nennung des Namens des Anzurufenden aufzubauen, so erzeugte Apples „Siri“ schon deutlich mehr Vielfalt in der Anwendung, war aber auf die iOS-Welt beschränkt.

Nun war auf der diesjährigen IFA überall und unübersehbar in sehr großen Lettern „Mach mal Google“ zu lesen. Und gleichmäßig verteilt über das gesamte Ausstellungsgelände posierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Google, die die Besucher mit Werbematerial und Coupons zur Teilnahme an attraktiven Gewinnspielen einluden.

In Sachen Spracheingabe gibt aber nicht nur Google mit seinem Google Assistant („Ok Google“) mächtig Gas, sondern steht im Wettbewerb mit nicht weniger als 5 weiteren, konkurrierenden Systemen.

Die bekanntesten darunter sind Siri von Apple und Alexa von Amazon. Dann folgen Bixby von Samsung sowie Cortana von Microsoft. Nun will auch die Deutsche Telekom mit „Hallo Magenta“ ab Herbst 2018 ebenfalls (noch) mitmischen.

Der eindrucksvolle und knallige Stand der Telekom

Die Analysten rund um den Globus sind sich weitgehend einig und sagen der Sprachassistenz atemberaubende Steigerungsraten voraus. Und je mehr Nutzer die einzelnen Systeme an Bord haben, umso intelligenter werden sie. Nicht nur, dass sie Sprache und auch Dialekte durch den Trainingseffekt immer besser verstehen, auch aus den verschiedensten Fragestellungen heraus können die Systeme rasch Rückschlüsse auf die eigenen Befindlichkeiten ziehen, aber sehr wohl auch lokale und globale Trends erkennen. Und dies in einer Geschwindigkeit, die bis vor Kurzem undenkbar war.

Huawei Pressekonferenz

Denn eines sollte klar sein. Die Kommunikation per Sprache ermöglicht die Verarbeitung von sehr viel mehr Information in sehr viel kürzerer Zeit als es zu Zeiten des mühsamen Eintippens per Tastatur der Fall war. Ob das der Kreativität des Einzelnen unbedingt zugute kommt, möge jeder für sich selbst entscheiden.

Aber die Industrie steht bereits mit einer Vielzahl an Antworten parat und alles dreht sich einmal mehr um große und noch bessere Flachbildschirme, jetzt auch in 8K Technik, mit beeindruckender Auflösung.

Die Flachbildschirme stehen dabei aber nicht nur wie gewohnt im Wohnzimmer, nein Samsung sagt, die Küche wird zum zentralen Kommunikationspunkt und nennt es Family Hub. Der interaktive Bildschirm wird zum integralen Bestandteil des Kühlschranks.

Da lassen sich dann nicht nur Kochrezepte abrufen oder abspeichern, nein dieser dient auch als Whiteboard, um Notizen zu machen oder Nachrichten für andere Familienmitglieder zu hinterlassen oder gleich zu versenden.

Samsung Pressekonferenz

Dass damit im Smart Home auch gleich noch alle möglichen anderen Funktionen (Heizung, Lüftung, Beleuchtung, Rolläden, etc.) gesteuert werden können, ist schon fast selbstverständlich. Und genauso selbstverständlich ist alles mit allem vernetzt. D.h. verlasse ich das Haus, kann ich fortan per Smartphone die volle Kontrolle übernehmen und im Supermarkt über die Kameras im Kühlschrank gleich nachsehen, ob z.B. noch ausreichend Butter bevorratet ist.

Das diesjährige Motto von Samsung: „Do What You Can´t“

In diesem Umfeld des voll vernetzten smarten Zuhause tummeln sich vor allem asiatische Hersteller. Ob Samsung (Korea) oder Panasonic (Japan), ob Haier oder Hisense (beide China), hier wird unmissverständlich die volle Bandbreite des Möglichen präsentiert. Nicht nur, dass die chinesischen Aussteller zu neuer Höchstform auflaufen, die Stände der großen und bekannten Konzerne aus dem Reich der Mitte sind mittlerweile sehr ansprechend gestaltet und auf Hochwertigkeit getrimmt. Die Firmen zeigen auch in einer atemberaubenden Geschwindigkeit wie sie Neuerungen aufgreifen, umsetzen und auf dem Markt positionieren.

Wussten Sie, dass mittlerweile jeder Fünfte weltweit verkaufte Kühlschrank aus dem Hause Haier (China) stammt? Und Huawei, der Platzhirsch unter den Smartphone- und Netzwerkherstellern (ebenfalls China) treibt Samsung gerade vor sich her. Da fragt man sich, wo ist das ehemalige Billig- und Kopierimage der Chinesen geblieben? So schnell ändern sich die Zeiten.

Der ansprechend und einladend gestaltete Stand von Haier

Und so mancher bekannte Traditionsname ist entweder bereits komplett verschwunden oder mittlerweile unter überwiegend koreanischer oder chinesischer Führung. So sorgen AKG, JBL und Harman-Kardon zwar weiterhin für guten Sound, nun aber unter dem Dach von Samsung vereint. Und Metz, der traditionsreiche deutsche TV-Gerätehersteller, hat eine Reanimationstherapie von seiner neuen chinesischen Mutter Skyworth erhalten und kann nun so für weiterhin gutes Bild sorgen.

Am Messestand von Vestel. Der türkische Hersteller produziert u.a. Flachbild TV unter dem ruhmreichen Markennamen „Telefunken“.

Ähnliches ist schon früher Grundig und Telefunken widerfahren. Im Bereich der Fernsehgeräte tauchen beide Namen zwar wieder vermehrt auf, aber unter türkischer Flagge, Telefunken bei Vestel und Grundig bei der Arcelik-Gruppe.

Messestand von Miele

Eines der wenigen verbliebenen „Urdeutschen“ Unternehmen, welches immer wieder mit faszinierenden neuen Produkten aufzuwarten vermag, ist Miele. In Gütersloh, dem Stammsitz des Unternehmens, scheint die Welt noch in Ordnung. Hoffen wir, dass das so bleibt.

Und nun fragen Sie, was hat all dies bitte mit Wearables oder smarten Uhren zu tun? Auf eine einfache Frage, eine einfache Antwort: Sehr viel.

Am Messestand der Fossil Group

Wearables, dazu zählen wir Fitnesstracker, Smartwatches und Hybride Uhren, sind in ihrem Inneren mit mehr oder weniger viel elektronischer Intelligenz ausgerüstet.

Der einfache Fitnesstracker geht mit ein paar vitalen Funktionen an den Start und übermittelt die Daten via Bluetooth an eine App auf dem Smartphone. Von dort aus geht’s weiter in die Cloud. Dort wartet dann künstliche Intelligenz, um einen entsprechenden Abgleich mit den Daten anderer Nutzer vorzunehmen und daraus Rückschlüsse zu ziehen und Empfehlungen für das individuelle Trainingsprogramm zu generieren.

Die Liste der auf dem Markt befindlichen Fitnesstracker ist innerhalb weniger Jahre nahezu unüberschaubar geworden. Vom billigen Einstiegsmodell bei Aldi an der Kasse bis zum „High-End“ Gerät von Garmin, Fitbit oder Samsung.

Eine Auswahl dessen, was allein Firma Komsa als Großhändler in ihrem Portfolio führt

Und bei den High-End Geräten unter den Fitnesstrackern nähert man sich funktional bereits der Smartwatch. Schnelle, leistungsstarke Mikroprozessoren und eine Vielzahl von Sensoren für die Aufzeichnung von Vitalfunktionen und Umgebungsparametern sind das gemeinsame Merkmal.

Die Smartwatch legt dann aber in der Regel noch eins drauf; bei der Übertragung von Informationen vom Smartphone zur Smartwatch (Notifications), der Qualität und Größe des Displays, der Möglichkeit Mikrofon und Lautsprecher unterzubringen, so dass auch telefoniert werden kann – im Falle eines eingebauten LTE-Moduls auch ohne Smartphone – womit wir wieder bei den vielfältigen Möglichkeit der Spracheingabe wären.

Aber auch in puncto Design sind die smarten Watches richtig erwachsen geworden. Die auf der IFA gezeigten neuen Modelle von Garmin, Samsung, der Fossil-Group oder Casio haben allesamt das Zeug, nun auch optisch als vollwertige Uhr durchzugehen und tatsächlich 7 Tage die Woche am Handgelenk zu bleiben.

Allein Fitbit grenzt sich von diesem Trend etwas ab. Auch die neue erfolgreiche Fitbit Versa will hinsichtlich des gewählten Designs keine Alternative zur klassischen Uhr sein. Die Versa ist optisch ein schön und gut gemachter Fitnesstracker mit zahlreichen smarten Funktionen.

Fitbit Versa

Sehen wir uns die verschiedenen Modelle, der in Berlin vertretenen Aussteller daher etwas genauer an.

Bei Garmin gibt es den poppig aufgemachten Fitnesstracker für Kinder. Der Bewegungsmangel in unserer modernen Gesellschaft greift um sich. Selbst die Kleinen sind bereits davon betroffen. Spielten und tobten sich Kinder früher im Freien oder auf dem Bolzplatz aus, so verleiten allgegenwärtige Bildschirme, Tablets, Spielekonsolen und Smartphones zu mehr körperlicher Passivität.

Fitnesstracker für Kinder: vivofit jr. aus dem Hause Garmin

Diesem Trend setzt Garmin etwas entgegen und zwar unter Einbeziehung der neuen digitalen Welt. Über entsprechende Aufgabenstellungen, die die Fitness und den natürlichen Bewegungsdrang von Kindern aktiv unterstützen und herausfordern, wird über den stylischen Fitnesstracker dann der Erfolg aufgezeichnet und ausgewertet. So können Punkte gesammelt und über einen Wettbewerb mit anderen Gleichgesinnten abgeglichen werden.

Garmin macht sich aber auch zum Leader beim kontaktlosen Bezahlen.

Was in Deutschland erst mit reichlich Verzögerung in Gang kam, pusht Garmin nun mit einigen Modellen, die mittels integrierter Near Field Communication (NFC) und einer entsprechenden Banking-App zur mobilen Geldbörse am Handgelenk werden.

Bezahlen mit Garmin Pay am Kontaktlosterminal

Neben den aktuellen Sportmodellen aus der Garmin Fenix Serie wurden aber auch die um einige stylische Designs erweiterten Hybrid-Uhren aus der Vivomove HR Kollektion in Berlin vorgestellt.

Garmin Fenix 5 plus jetzt auch mit Garmin Pay ausgestattet

Bei der Vivomove HR hat Garmin neben der klassischen analogen Zeitanzeige mittels Stunden- und Minutenzeiger im unteren Drittel des Zifferblattes nahezu unsichtbar ein Display integriert.

Garmin Vivomove HR im stylischen Gehäuse mit vergoldeter Lünette

Wird dieses aktiviert so erscheinen dort eine ganze Reihe nützlicher Zusatzinformationen zu den erfassten Vitaldaten aber auch Notifications vom Smartphone, wie eingehende Anrufe oder E-Mails, werden dort auf Wunsch zur Anzeige gebracht.

Garmin Vivomove HR mit aktiviertem Display

Gleich gegenüber bei Casio wurde die neue WSD F-30 präsentiert. Casio geht einen anderen Weg als Garmin und rüstet seine robuste und nun in dritter Generation aufgelegte Outdoor-Smartwatch mit Googles Betriebssystem WearOS aus.

Die WSD F-30 ist eine konsequente Weiterentwicklung des Vorgängers WSD F-20, wobei das wuchtige Gehäuse um einige Millimeter geschrumpft ist und als weitere wichtige Neuerung Offline Kartenmaterial aufgespielt werden kann, so dass die Uhr auch unabhängig vom Smartphone dem Wanderer, Kletterer, Radfahrer oder Kanufahrer den rechten Weg weist und über die auf dem Display eingeblendete Karte auch den jeweiligen Standort und den Routenverlauf anzeigt.

Casio WSD F-30

Ansonsten gelten die nach wie vor überzeugenden Eigenschaften wie das Dual-Layer Display, welches stets die Uhrzeit anzeigt, ohne dabei nennenswert Strom zu verbrauchen.

Casio WSD F-30 mit stromsparendem Dual-Layer Display

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist auch, dass Google noch im Herbst diesen Jahres bei WearOS mit einer neuen Bedienoberfläche aufwartet. Wir konnten uns an einem Prototypen bereits einen ersten Eindruck verschaffen. Soviel sei schon verraten: Die Bedienerfreundlichkeit wird sich mit den Update deutlich verbessern.

Der neu gestaltete Stand der Fossil Group

Das gilt im Übrigen auch für die Fossil Group, die mit einem völlig neu gestalteten und abermals vergrößerten Stand nun bereits zum dritten Mal in Berlin dabei ist.

Die neue Fossil Q Venture HR für Damen

 

Die neue Smartwatch Skagen Falster 2 im gekonnt kühlen skandinavischen Design

Auch die von der Fossil Group vorgestellten Modelle bekommen im Herbst als Update die neueste deutlich bedienerfreundlichere Softwareversion von WearOS aufgespielt. Google hat nun verstanden, dass in Sachen User Interface Nachholbedarf bestand und setzt dies endlich um.

Und hier schließt sich auch der Kreis zu Googles vernetzter Welt über Google Assist (Ok Google) und AndroidTV. Die neuen Uhren von Fossil sind mit Mikrofon und Lautsprecher ausgestattet, so dass von der Uhr jederzeit Sprachbefehle entgegengenommen und in das Google Ökosystem eingespielt werden, ohne dass das Smartphone aus der Tasche geholt werden muss. Ähnlich wie bereits zuvor bei Garmin berichtet, hat nun auch Fossil kontaktloses Bezahlen mittels Google Pay implementiert. Die zusätzlich verbauten GPS und Pulssensoren verleihen den neuen smarten Uhren einen zusätzlichen Schub und lassen sie auf Augenhöhe vom Wettbewerb ankommen.

Fossil Q Explorist HR

Dazu wurden uns einige Modelle in schickem Design präsentiert, die nun wirklich nach Uhr aussehen. Maßgeblichen Anteil hat daran die gegenüber den Vorgängermodellen deutlich reduzierte Gehäusehöhe. Das sieht am Handgelenk jetzt sehr gut und elegant aus. Der „Geruch“ von elektronischem Gadget ist verschwunden.

Bravo Fossil, gut gemacht! So wurde auch der Beweis erbracht, dass ein traditioneller Uhrenhersteller, auch ohne jahrzehntelange Vorkenntnis in Hard- und Software sehr wohl in der Lage ist, sich diese Kompetenz anzueignen und dem Kunden ein stilistisch sehr attraktives und dabei funktional voll wettbewerbsfähiges Produkt anzubieten.

Bleiben wir bei smarten Uhren mit WearOS und besuchen die Firma Mobvoi aus China. Mobvoi bringt smarte Uhren auf den Markt, die bei Kennern besser unter dem Namen „Ticwatch“ bekannt sind.

TicWatch Pro mit Dual-Layer Display

Ticwatch wurde ursprünglich über Kickstarter bekannt. Mittlerweile haben namhafte Investoren, darunter auch Google und bemerkenswerter Weise Volkswagen, in das innovative Start-Up investiert.

Am Messestand von TicWatch

Die TicWatch zeichnet sich durch ein fast unschlagbares Preis-/Leistungsverhältnis aus. Je nach Modell und Ausstattung werden zwischen EUR 160 und EUR 250 fällig. Das ist eine sehr klare Ansage.

TicWatch mit WearOS

Beim Spitzenmodell wird – ähnlich wie bei Casio – ebenfalls ein stromsparendes Dual-Layer Display verbaut, aber für weitaus weniger Geld. Auch fehlt hier nicht – wie das bei Casio leider nach wie vor der Fall ist – der Pulsmesser.

Schauen wir auch gleich noch bei Huawei vorbei. Dort gibt es wenig Neues. Die Huawei Watch 2 repräsentiert immer noch den Stand der Dinge. Dies jedoch auf nach wie vor hohem Niveau.

Huawei Watch von Porsche Design

Das Display ist allererste Sahne und eine etwas exklusivere Variante mit Design von Porsche gesellte sich hinzu. Es wird spekuliert, dass Huawei zum nächsten Frühjahr für den Mobile World Congress (MWC) in Barcelona etwas aus dem Ärmel zaubert. Dazu zählt auch die Spekulation, ob Huawei dann einer der Ersten sein könnte, der Qualcomms neuen SoC Snapdragon Wear 3100 einsetzt, oder gar einen eigenen Prozessor aus der Kirin Serie in Entwicklung hat.

Überhaupt zeigte Huawei mit der neu vorgestellten Prozessorgeneration Kirin 980 wo vorne ist. Da werden selbst Apple mit dem A11 und Qualcomm mit dem 845 kurzatmig. Apple legte zwar wenige Tage später mit dem A12 bereits wieder nach, dennoch spielt Huawei mittlerweile bei den Top-Smartphones mit und befindet sich somit auf Augenhöhe von Apple und Samsung.

Im City Cube bei Samsung

Hat Samsung bereits im Vorfeld der IFA 2018 sein neues Super Smartphone Note 9 vorgestellt, so war ein weiteres Highlight der IFA 2018 die neue Samsung Galaxy Watch. Bereits die Namensänderung von Samsung Gear auf Samsung Galaxy brachte zum Ausdruck, dass die neue Smartwatch – noch mehr als ihre Vorgänger – sich in das Samsung Ökosystem integriert.

Die neue Galaxy Watch von Samsung

Dazu wurde – entgegen anderslautender Spekulationen – am hauseigenen Betriebssystem „Tizen“ festgehalten. Beim Navigieren durch die Menüs mittels Drehlünette, zweier Tasten oder wahlweise auch Touchscreen, macht Samsung nach wie vor keiner etwas vor.

Samsung Galaxy Watch mit fotorealistischem Watchface in 3D-Optik

Der ganze Hard- und Software Cocktail wurde weiter verfeinert und gleich ein neuer, um etwa 30% effizienterer Prozessor verbaut. So soll die neuen Galaxy Watch bei sparsamen Gebrauch bis zu 7 Tage ohne Aufladung auskommen. Aber auch ein LTE-Modul mit e-SIM wurde dem Neuling spendiert. So kann der Kunde, wenn er sich für diese wahlweise angebotene Variante entscheidet – auch ohne Smartphone in der Tasche – die volle Connectivity nutzen.

Auch die Möglichkeiten, die Uhr für sportliche Einsätze zu nutzen, wurde weiter verbessert. Mit einer Wasserdichtigkeit bis 5atm ist die Galaxy Watch nun auch zum Schwimmen geeignet und die Zahl der vorinstallierten Workouts wurde nochmals deutlich erweitert.

Die Samsung Galaxy Watch im kleineren Roségold Gehäuse für die Dame

Und das Design der Uhr wurde ebenfalls verfeinert. Die zur Verfügung stehenden Watchfaces rücken über ihren 3D-Effekt die neue Galaxy Watch im Erscheinungsbild noch ein Stück näher an eine klassische Uhr heran. Da die Uhr nunmehr auch in zwei Gehäusegrößen und die kleinere Version wahlweise auch in Roségold verfügbar sein wird, kommen jetzt auch die Damen in den Genuß, das neue Top-Produkt zu tragen.

Aber nicht nur die großen Player auf dem Markt, wie Samsung mit der perfektionierten Galaxy Watch oder Google mit seinem aufgefrischten WearOS geben mächtig Gas, nein auch kleinere Anbieter, wie das erst 2013 in Genf gegründete Wearable Start-Up MyKronoz mischen die Szene gewaltig auf.

Der mittlerweile zur BOW-Group (Be Over the World) gehörende Anbieter von Fitnesstrackern und Smartwatches sorgte über die rund ein Jahr zurückliegende Kampagne auf Kickstarter mit der ZeTime für Aufsehen.

Hierbei handelt es sich um die weltweit erste hybride Smartwatch, welche über ein vollflächiges Display sowie eine analoge Zeitanzeige mittels darüber liegender mechanischer Zeiger verfügt.

Die neue ZeTime2 von MyKronoz

Rief die ZeTime bereits große Zustimmung hervor, so wurde auf der IFA 2018 mit der ZeTime2 die zweite Generation mit einem verbesserten, hochauflösenden und dabei sehr brillanten OLED Display vorgestellt.

MyKronoz ZeTime2 mit hochauflösendem OLED Display

Auch in Sachen Sensititivität des bei der ZeTime noch gelegentlich etwas träge reagierenden Touch-Screens konnte bei einem ersten Hands-On eine spürbare Verbesserung erzielt werden.

Rückansicht der ZeTime2 mit sehr hochwertigem Edelstahlgehäuse

Und MyKronoz wäre kein Schweizer Uhrenhersteller, wenn nicht auch beim Design nachgelegt worden wäre. Das jetzt sehr hochwertig anmutende Gehäuse verleiht der ZeTime2 ein elegantes Erscheinungsbild.

MyKronoz ZeTime Pop

Wer es dagegen eher etwas poppiger möchte, wird bei der neuen ZeTime Pop fündig. Kräftige Farben, i.V. mit einem Kunststoffgehäuse, ermöglichen knalliges Design zum Sparpreis.

Wer einen möglichst vollständigen Überblick über die aktuell im deutschen Fachhandel verfügbaren smarten Uhren bekommen möchte, dem sei auch ein Blick zu Firma Komsa empfohlen. Das Unternehmen, welches sich in den Bereichen Smartphones und Netzwerktechnik einen Namen gemacht hat, befasst sich seit rund 3 Jahren auch intensiv mit Wearables und hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Schnittstelle zwischen dem traditionellen Uhrenfachhandel und den meist großen und oftmals auch (uhren-) branchenfremden Herstellern einzurichten.

Am Messestand von Komsa mit einer Übersicht der allein im Portfolio dieses Großhändlers befindlichen Marken

Komsa hat mit mittlerweile 11 Herstellern (von Alpina bis Viita) ein breites Portfolio an Wearbles im Programm und unterbreitet jedem Fachhändler eine auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Auswahl.

Alpina AlpinerX; das neue Modell wurde ebenfalls über Kickstarter bekannt
Viita Active HRV

Aber wie sind die Prognosen und wie geht es mit den smarten Uhren am Handgelenk weiter? Auch hierzu gibt es Ideen und Antworten.

Sony hat dazu in diesem Jahr die FES Watch U deutlich präsenter und damit auch medienwirksamer vorgestellt als noch im letzten Jahr. FES ist ein von SONY finanziertes Start-Up, welches weitgehend unabhängig vom Mutterkonzern agiert.

FES Watch U

Bei dieser smarten Uhr handelt es sich weniger um eine Smartwatch im zuvor diskutierten Stil, sondern um eine Uhr, die aus einem biegbaren E-Ink Display gefertigt ist und bei der sich das Design von Zifferblatt und Armband – wie bei einem Chamäleon – auf Knopfdruck dem persönlichen Geschmack, oder passend zur Kleidung bzw. jeweiligen Gemütslage, anpassen lässt.

FES Watch U

Und dann hat Sony ein weiteres Produkt im Ärmel, welches unter dem Markennamen „Wena“ auf der IFA 2018 nun in serienreifer Form vorgestellt wurde.

Wena Wrist Pro

Eine konventionelle Uhr, gerne auch mit hochwertigem mechanischen Uhrwerk, lässt sich mittels einer im Armband integrierten smarten Schließe mit einer ganzen Reihe von Zusatzfunktionen ausstatten, ohne dass eine Smartwatch oder ein Fitnesstracker notwendig wären. So treffen sich Tradition und Moderne am Handgelenk

Die Wena Wrist Pro ist sogar mit einem Pulsmesser ausgestattet

Das in der Schließe untergebrachte schmale Display kann zudem ein paar Informationen, wie z.B. den Namen eines Anrufers zur Anzeige bringen.

The Next Big Thing – also das ganz große nächste Ding – könnte jedoch eine Smartwatch sein, wie sie von Firma Nubia, einer Tochter des chinesischen Smartphoneriesen ZTE, in Form der Nubia Alpha vorgestellt wurde.

Smartes Armband von Nubia mit biegsamen Dispaly als Ersatz für das Smartphone

Der auf der IFA ausgestellte Prototyp verfügt als Innovation über ein flexibles, biegbares, bis ins Armband hineinlaufendes Display, welches sich um den Arm schmiegt.

So können nunmehr alle Funktionen eines Smartphones, einschließlich eines vergleichsweise großen Displays am Handgelenk untergebracht werden. Über das gewählte Design des Prototyps lässt sich sicher noch trefflich streiten, aber die Marschrichtung scheint vorgegeben zu sein.

Der ausgestellte Prototyp von Nubia

Sprechen wir über Vernetzung und schnelles mobiles Internet, so kommt die Rede auch rasch auf den neuen superschnellen Mobilfunkstandard 5G, dessen Einführung in Asien schon voranschreitet, in Deutschland jedoch wohl noch einige Zeit auf sich warten lassen wird. Denn die Entwicklung der hierfür erforderlichen Hard- und Software findet überwiegend in Korea und China statt.

Die Deutsche Telekom führt die völlig neuen Möglichkeiten mit 5G vor

Die Übertragung von Daten in Echtzeit wird die Voraussetzung für das ebenfalls vieldiskutierte autonome Fahren bilden. Um an dieser Stelle eine bidirektionale Informations- und Präsentationsplattform zwischen Automobilherstellern und IT-Branche aufzubauen, haben der Autosalon in Genf und die IFA Berlin die Initiative SHIFT Automotive als sinnvolle Ergänzung erfolgreich aus der Taufe gehoben.

Shift Automotive eine gemeinsame Initiative des Salon d`Auto in Genf und der IFA Berlin

Das Automobil von Morgen spielt in einer vernetzten Welt eine immer größere Rolle. Also ist es nur natürlich, dass neben Herstellern von Uhren und Haushaltsgeräten jetzt eben auch vermehrt Automobilhersteller auf der IFA in Berlin Präsenz zeigen.

Ob das BMW mit dem neuen, traumhaft schönen 8er Coupé ist, welches auf dem Stand von Samsung gezeigt wurde,

Der BMW 8er

oder Mazda, die ihre neuesten Fahrzeuge im Umfeld von Blaupunkt und Vodafone ausstellten,

Mazda mit eigenem Stand auf der IFA 2018

bis hin zu McLaren, die den 300.000 EUR teuren Supersportwagen 720S vor dem exklusiven Stand von Bang & Olufsen postierten, die Automobilhersteller entsenden damit ein deutliches Signal: Wir wollen dabei sein, wir gehören ab sofort dazu!

McLaren 720S // Leistung 720 PS, max. Drehmoment 770 Nm

Spätestens hier wird deutlich, dass die neue vernetzte Welt nicht nur Connectivity 24/7 bedeutet, sondern dass Produkte unterschiedlichster Funktion und Herkunft immer stärker miteinander verwoben und die Übergange fließender werden.

Vor genau 10 Jahren haben die ersten Hausgerätehersteller den Weg nach Berlin gefunden, vor 3 Jahren ist mit Fossil der erste traditionelle Uhrenhersteller gefolgt, nun sind auch Casio und die exklusive Marke Alpina (am Stand von Komsa) auf der IFA anzutreffen. Wenn nun auch BMW und McLaren ihre teuersten Supersportwagen in Berlin dem Publikum zeigen, dann ist das mehr als eine Botschaft. Die IFA als High Tech Messe demonstriert damit nicht nur Vernetzung und Innovation, sondern vor allem eines:

Auf der Pressekonferenz von Samsung

Und nicht vergessen: Wir sehen uns wieder in Berlin auf der IFA 2019

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