Die Swatch Group ist von der Abschwächung in China und dem steilen Anstieg bei Smartwatches betroffen

Der Schweizer Uhrengigant Swatch Group hat derzeit mit starkem Gegenwind aus unterschiedlichen Richtungen zu kämpfen. Zum einen macht sich der rückläufige Markt in China negativ bemerkbar und auf der anderen Seite hat die Swatch Group auf die wachsende Akzeptanz der Smartwatch beim Kunden noch immer keine passende Antwort parat. Die Swatch Group hat es bis heute nicht vermocht, an diesem bereits über Jahre hinweg andauernden dynamischen Wachstum bei den sog. Wearables zu partizipieren.

Das Unternehmen erzielte in 2018 ein deutlich schlechteres Jahresergebnis als es von Analysten erwartet war. Der Umsatz stieg im Jahresverlauf zwar um 5,7% auf 8,48 Mrd. Franken (8,54 Mrd. USD) und der Gewinn belief sich auf 767 Mio. Franken. Beide verfehlten die Erwartungen der Analysten von 8,65 Mrd. Franken bzw. 952 Mio. Franken jedoch zum Teil erheblich. Der Aktienkurs schloss daraufhin um 8,2% leichter, der stärkste Rückgang seit Juli 2016.

Seit dem Höchsstand im Juni 2018 fand nahezu eine Halbierung des Aktienkurses statt.

In dem überaus wichtigen vierten Quartal verlief das Geschäft aufgrund eines Abschwungs in Asien und eines rückläufigen Absatzes in Frankreich besonders schwach. Es scheint, als würden chinesische Touristen nicht mehr so viel einkaufen, und die anhaltenden Proteste der „Gelben Weste“ in Frankreich werfen ebenfalls ihre Schatten voraus.

In Asien gab es in den letzten drei Monaten des Jahres 2018 ebenfalls einen spürbaren Nachfragerückgang, insbesondere im Großhandel.

Die gesamte Schweizer Uhrenindustrie stand in den zurückliegenden Jahren vor großen Herausforderungen. Die immer weiter zunehmende Konkurrenz durch neue Produkte – wie z.B. die Apple Watch – war für die Schweizer Uhrenindustrie wenig hilfreich. Insbesondere der Abschwung im unteren Preissegment hat einige Uhrenhersteller gezwungen, den Fokus vermehrt auf hochwertige und damit teure Zeitmesser zu richten. Andere haben auf dem schnell wachsenden Markt für Wearables durch Partnerschaften mit Technologiefirmen, aber auch durch eigene Investitionen, erste vorsichtige Schritte unternommen.

Swatch hat sein Swiss OS genanntes Betriebssystem für intelligente Uhren derzeit noch in Entwicklung. Unter der Marke Tissot soll das erste Modell einer Smartwatch mit dieser Software auf den Markt kommen. Allerdings wurde der Starttermin schon mehrfach verschoben. Die Uhr soll dann u.a. vermutlich die wenig erfolgreiche Tissot Touch Zero One beerben, die primär für Beachvolleyballspieler gedacht war.

Anfang Februar 2019 gab die Swatch Group bekannt, dass Inhaber einer Mastercard in der Schweiz mit einem neuen mobilen Zahlungsdienst, namens SwatchPAY, bezahlen können. An einer mit einem NFC-Lesegerät ausgestatteten Kasse müssen Besitzer von NFC- fähigen Swatch-Modellen ihre Uhr lediglich gegen das Kartenterminal halten, um eine Zahlung auszulösen. Alle wichtigen Daten sind dazu in der Uhr hinterlegt.

SwatchPAY sowie das (hoffentlich) bald verfügbare Swiss OS Betriebssystem lassen zumindest einen gewissen Optimismus, hinsichtlich der weiteren Perspektiven für das Unternehmen aufkommen. Die Smartwatch ist, entgegen den früheren Beteuerungen des CEO der Swatch Group, Nick Hayek, nun doch zu einem festen Bestandteil des Geschäftes mit Uhren in einer modernen Welt geworden.

Von offizieller Seite wurden indes – wie immer – laute und starke Töne verbreitet:

„Die Swatch Group erwartet für 2019, trotz der Probleme im zweiten Halbjahr 2018, ein gesundes Wachstum“, sagte ein Sprecher der Gruppe und fügte hinzu, dass sie bereits im laufenden Monat ein „solides Wachstum“ gesehen haben. „Die Führungsposition der Swatch Group in China wird 2019 eine große Chance für die Gruppe sein, auch wenn die anhaltenden Marktturbulenzen sich nach wie vor störend auswirken.“

Dies gipfelt nun in der neuesten Aktion. Vermutlich mehr aus Verzweiflung zettelt die Swatch Group einen Prozess gegen Samsung an. Der koreanische IT-Multi soll angeblich Zifferblattdesigns von Marken der Swatch Group kopiert und als Watchface auf seine erfolgreichen Smartwatches aufgespielt haben, so der Vorwurf. Die Swatch Group beziffert den Schaden auf mehr als 100 Mio CHF.

Die Swatch Group verfährt dabei wohl ganz nach dem Motto: Wenn man noch nicht genügend Probleme hat, erzeugt man neue, um von eigenen Versäumnissen abzulenken. Offensichtlich treibt die Swatch Group die Sorge um, eine elektronische Display Uhr für 300 EUR könnte vom Kunden mit einer Omega für 5.000 EUR verwechselt werden. Die Swatch Group mit ~ 6 Mrd EUR Umsatz gegen Samsung mit ~ 160 Mrd EUR Umsatz. Der Vorgang könnte interessant und spannend werden.

So kann man die Dinge natürlich auch angehen; zumindest an Selbstbewußtsein scheint noch kein Mangel zu herrschen.

 

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