Die Baselworld 2020 träumt von Apple & Co.

Die Baselworld 2019 ging vor wenigen Tagen zu Ende. Der Start, erstmals ohne Swatch Group an Bord, war holprig, der weitere Verlauf dann besser als erwartet, das Ergebnis aber dennoch niederschmetternd.

2015 waren rund 1500 Aussteller mit dabei und es kamen noch 120.000 Besucher nach Basel. In 2019 hingegen standen lediglich 81.000 Besucher nur noch 520 Ausstellern gegenüber.

Die Messe wurde mit diesem katastrophalen Ergebnis innerhalb von nur 4 Jahren faktisch an die Wand gefahren.

Zwar wurde in letzter Konsequenz – nachdem das Kind bereits im Brunnen lag – das Management ausgetauscht, aber der immense Flurschaden bleibt.

Nun richtet die neue Projektleitung den Blick verständlicherweise nach vorne und versucht ihr Glück mit der konsequenten Digitalisierung der Messe. Und zwar nicht nur in Form umfassender digitaler Informations- und Kommunikationsangebote, sondern künftig vermehrt auch in Form digitaler Produkte.

Die Apple Watch – als Sinnbild der Smartwatch – von der Uhrenbranche bis vor Kurzem noch verhöhnt und verpöhnt, soll´s jetzt richten.

Die Messeleitung träumt davon, Apple, Samsung & Co., also die Wegbereiter der digitalen Zukunft am Handgelenk, auf die Baselworld zu locken, um jene Lücken zu füllen, welche die analoge Welt in den letzten 4 Jahren hinterlassen hat.

Allerdings ist nach unserer Einschätzung nicht davon auszugehen, dass diese Anbieter und Gestalter der digitalen Zukunft mit ungebremster Begeisterung auf den Zug der Baselworld aufspringen werden. Wozu auch?

Bereits zur Baselworld 2017 machten Samsung und Intel den Versuch, sich mit ihren digitalen Neuerungen zu präsentieren, wurden aber von der traditionellen Uhrenjournaille genauso ignoriert und geschnitten, wie vom Veranstalter selbst. Mit dem Ergebnis, dass in 2018, und auch 2019, niemand mehr aus dieser Branche erschien.

Samsung investiert Jahr für Jahr 14 Milliarden US$ in Forschung und Entwicklung und beschäftigt 65.000 Ingenieure und Designer. Einige davon kümmern sich u.a. um Wearables.
Infografik: Apple ist neuer Wearables-Marktführer | Statista
Der Zuwachs bei Wearables von 2018 gegenüber 2017 beträgt 27%. Davon träumt jetzt auch die Baselworld.

Diese IT-Giganten sind mit ihren überaus erfolgreichen Smartwatches und Wearables aber längst auf anderen Plattformen angekommen und präsentieren dort ihre neuesten Produkt-Highlights.

Im Januar auf der CES in Las Vegas, Anfang März der MWC in Barcelona und schließlich im September die IFA in Berlin. Wozu sich also auch noch in der Schweiz präsentieren und zusätzlich die dort aus dem Ruder gelaufenen Kosten und Gebühren ins ohnehin knappe Budget übernehmen?

Die IT- und Elektronik-Branche ist eine sparsame Branche. Die Margen sind gering, die Stückzahlen dafür umso höher. Entsprechend knapp sind die Marketing-Budgets zugeschnitten. Der Kunde weiß um die Kurzlebigkeit der Produkte und ist daher – bis auf gewisse Ausnahmen – nicht bereit, erhöhte Preise zu bezahlen, nur weil der Hersteller gutes Marketing macht und sich teure Markenbotschafter und Testimonials leistet.

Sehr wohl wünschen wir der Baselworld natürlich, dass sie wieder Tritt fassen möge – sehr gerne auch im digitalen Umfeld – die Sterne stehen hierfür zwar nicht allzu günstig, aber Träume sind ja erlaubt. Und manchmal werden sie sogar wahr.

 

Der Autor:
Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als freier Journalist und Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobil- und Luxusgüterindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen und Trends auf dem Sektor für hochwertige Uhren und smarte Technologien.

 

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